Theologie der Insider

Theologie

 

Bill Nikides zur Wortauslegung der Insider

…und was dabei auf der Strecke bleibt

Dieser Beitrag ist eine Übersetzung des englischen Originals: „Lost in Translation: Insider Movements and Biblical Interpretation“. Bill Nikides’ Artikel wurde erstmals veröffentlicht im Buch „Chrislam – How Missionaries Are Promoting An Islamized Gospel“, i2 Ministries Publishing © 2011

Zum Author

Bill Nikides ist ein Pfarrer der Presbyterian Church of America (PCA). Während der letzten zwölf Jahre diente er Versammlungen von Gläubigen, die sich aus dem Islam bekehrt hatten, im Nahen Osten, Europa und Südost-Asien. Zuvor hatte er im Nahen Osten und Persischen Golf gearbeitet. Bill Nikides hat zuerst Geschichte, dann Informationsmanagement und schliesslich Theologie studiert. Er hält ein Diplom als Magister Divinitatis (MDiv) von der Beeson Divinity School in Birmingham, Alabama (USA). Momentan schreibt er eine Dissertation an der Wales Evangelical School of Theology über die Bedeutung der Dreieinigkeit für die Mission. Bill Nikides kennt Insider Bewegungen aus erster Hand, da er im Rahmen systematischer Studien in Südost-Asien mehr als 200 Interviews mit Insider-Befürwortern und ehemaligen Insiders in deren lokalen Umgebung geführt hat. Während seiner Zeit bei i2 Ministries’ als Direktor für die Ostasienmission schrieb er mit am Buch „CHRISLAM“, das von i2 Ministries 2011 veröffentlicht wurde. Anschliessend arbeitete er bei Advancing Native Missions (ANM) auf dem Gebiet der Gemeindegründung, der Gemeindeleitung und dem Gemeindewachstum in Europa und in Asien. Seit 2014 berät er lokale Kirchen weltweit in Missionsfragen als Direktor von Reformational Churches Together (RCT).

„Leute des Buches“

Wir haben das Vorrecht in interessanten Zeiten zu leben, auch wenn es uns manchmal schwer fällt,.die Veränderungen und Geschehnisse zu erfassen. Soviel hat sich verändert im Laufe der letzten Jahrzehnte. Als ich 1973 zum Glauben kam, gab es etwas, wo ich überzeugt war, dass sich meine Vorstellungen darüber nicht ändern würden: Mein Gottesbild. Ich hatte so lange gesucht, enttäuschende und ernüchternde Erfahrungen gemacht, während ich auf der Suche war. Doch jetzt, mit Jesus, konnte ich Ruhe finden. Zum ersten Mal wusste ich, wie die Welt wirklich aussah. Diese Ansicht scheint heute etwas naiv; aber damals, war ich wie viele Menschen rastlos und verloren. Ich brauchte den SHALOM, den nur Gott in Christus geben kann.

Ich war mir damals nicht bewusst, dass ich zum Königreich Gottes stossen würde inmitten eines Umbruchs. So viel hat sich geändert von dem, wie wir über uns selber denken, wie wir Gott und seine Werke in der Welt begreifen. Vieles war aufregend und bereichernd. Gott ist lebendig und er ist in Bewegung. Ich bin besonders dankbar für das explosionsartige Wachstum der Kirche ausserhalb des Westens, oft tief im Landesinnern, in von Feinden des Evangeliums bewachten Gebieten. Es gibt SHALOM für gewisse, aber auch Kakophonie, eine Vielzahl von Stimmen von Leuten, die alle für neue kirchliche Dienste kämpfen, neue Stossrichtungen vorschlagen und neue Ideen vorbringen und so das Feuer anfachen in der Verkündigung und dem Wachstum des Königreichs. Das ist eigentlich nichts neues, sondern so war es auch am Anfang der Verkündigung des Evangeliums vor 2000 Jahren.

Ein Teil dieser chaotischen Betriebsamkeit ist ein ermutigendes Zeichen der Liebe Gottes, weil es bedeutet, dass Gott auszieht und auf vielerlei Weise wirkt. Doch manchmal denke ich: Moment mal, jetzt in diesem Fall gibt es jetzt aber ernsthafte Schwierigkeiten. Und diese sind nicht auf Gottes unermessliche Gnade, resp. auf unseren beschränkten Verstand zurückzuführen, sondern wir haben Gottes Vorsehung missbraucht und Ideen hineingebracht, die seiner nicht würdig sind. Dies mag mit den besten Absichten und in gutem Glauben geschehen sein. Wir hören auf Gott so gut wir können, aber manchmal kriegen wir es einfach nicht auf die Reihe. Zudem haben wir Mühe dies zuzugeben, wenn wir es merken, denn unser Eifer ist gross und verzehrt uns.

Ich besuche einen Kurs in Friedenstiftung. Das ist eine zeitaufwendige Sache. Letztes Mal kamen wir darauf zu sprechen, dass es für Christen von erstrangiger Bedeutung ist, ihre Fehler zuzugeben und ihre Sünden zu bekennen. Soweit so gut. Aber der Teufel steckt im Detail. Wir geben zwar gerne zu, dass wir allgemein fehlerhaft sind. Sobald es aber konkret wird, sind wir sehr clever darin, einem Bekenntnis möglichst auszuweichen. Wir sind uns so sicher in dem, was wir gesehen und geschmeckt haben, dass wir es gar nicht ins Auge fassen können, zuzugeben, dass wir möglicherweise falsch liegen in Bezug auf diese oder jene konkrete Idee oder einen kirchlichen Dienst. Es ist verständlich. Wir haben unser ganzes Wesen in unseren Dienst gegeben und vollen Einsatz geleistet. So bleiben denn gute wie schlechte Ideen gleichsam an uns haften.

Auch wenn wir Sünder in die Irre gehen, Gott stellt uns einen Massstab zur Verfügung, der nicht hintergangen werden kann, eine Richtschnur, ein Messinstrument, das von unseren Vorurteilen nicht betroffen ist: Das Wort Gottes, welches vollkommen und vollständig ist und ohne Fehl. Natürlich basteln wir damit herum. Wir überlagern es, betrachten es durch eine bestimmte Brille und fügen im Laufe der Zeit Dinge hinzu, scheinbar um es besser zu erklären, aber eigentlich nicht selten im Verlangen, es unserem Willen zu beugen. Doch wie sehr wir uns auch bemühen, das Wort Gottes das sagen zu lassen, was wir wollen, am Ende kommt immer Gottes ursprünglicher Absicht zum Vorschein: Das Wort Gottes wird ausrichten, was IHM gefällt. Niemand kann das Wort Gottes zerstören, denn wir haben die Verheissung, das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit. Aber ich denke wir können es verbergen oder verdunkeln im Bestreben, es uns dienlich zu machen. In der Reformation erwachte dieses Bewusstsein um die Klarheit und die Macht der Heiligen Schrift. Dies bedeutet, die Bibel spricht klar und deutlich zu uns und wird von den einfachsten unter uns verstanden. (Und der Unterschied zwischen den Einfachsten und den Klugsten ist nicht gross in Gottes Augen.) Es gibt noch einen anderen Aspekt. Es bedeutet auch, dass egal wie sehr wir an der beabsichtigten Botschaft herumbasteln, Gottes Absichten setzen sich durch und werden bekräftigt. Mit anderen Worten, so sehr wir es unserem Willen zu beugen suchen, die Wahrheit der Worte setzt sich durch und erreicht das Ziel in jenen Menschen, die zu Gott gehören. Selbst wenn wir das Wort Gottes begraben würden, es käme dennoch wieder ans Licht.

Mit diesem Schreiben möche ich eine sehr aufregende und zugleich äusserst umstrittene Idee in der Mission beleuchten: Insider Movements (IM), auf Deutsch meist mit Insider-Bewegung übersetzt. Wo wir auch hinschauen sehen wir Meinungsverschiedenheiten: egal ob wir uns allgemeine oder akademische Literatur anschauen, Analysen machen oder Anekdoten sammeln. Dabei handelt es sich nicht um eine Auseinandersetzung um Nebensächlichkeiten, sondern es betrifft die Grundlagen unseres Glaubens und die Frage, wie unser Glaube zum Ausdruck kommt. Jede Seite dieser Auseinandersetzung ist vertreten: Experten und Lehrer, passive Zuschauer, neutrale Beobachter, Teilnehmer und Mitglieder dieser Bewegung und – wie ich ihnen versichern kann – auch die Opfer dieser Bewegung treten als Zeugen auf. Nun, wie sollen wir diese Bewegung beleuchten? Ich schlage vor wir tun dies im Lichte der Bibel. Es gibt keinen besseren Weg, keine bessere Vorgehensweise, als die Bibel aufzuschlagen. Als Nachfolger von Jesus, als Christ, sehe ich darin den Schlüssel, um zu beurteilen, ob es sich bei den Methoden der Insider um einen gangbaren Weg handelt. Ich möchte die Bibel nicht als eines von vier Büchern aufschlagen, sondern die Bibel als einzig massgebendes Buch betrachten. Davon hängt alles ab.

Dies führt uns zu unserem vorigen Argument zurück. Alle Betroffenen stützen sich auf das Wort Gottes ab, um ihre jeweiligen Standpunkte zu rechtfertigen. Trotzdem denke ich, dass wir am ehesten Erfolg haben, wenn wir sorgfältig vorgehen und uns die Bibelstellen, anhand derer IM-Verfechter ihre Standpunkte begründen, einzeln ansehen. Welche Bibelstellen verwenden die Vordenker der Bewegung, und wie werden diese angewendet? Welche anderen Aussagen der Schrift werden weggelassen? Wenn wir alle diese Blickwinkel in die Betrachtung einbeziehen, werden wir verstehen, wie IM-Verfechter denken und wie sie darauf gekommen sind. Während wir unsere Beobachtungen machen und Kritik äussern, kommen unsere eigenen Annahmen und Vorurteile auch zum Vorschein. Lassen sie mich eines vorwegnehmen, bevor wir ins Herz der Materie vordringen, und klarstellen: Ich bin fest davon überzeugt, bei der Insider-Bewegung handelt es sich um eine grundsätzlich falsche Initiative, die sich auf ein völlig fehlgeleitetes Verständnis der Bibel gründet. Habe ich das Recht oder die Macht, ein endgültiges Urteil zu fällen? Ich bin mir bewusst, dass ich genauso falsch liegen kann. Meine Gedanken sollen neben jene der Insider gestellt werden. Ich schlage lediglich vor: Schaut euch das mal genauer an! Seht die Vielzahl von IM-Publikationen und untersucht, inwiefern sich ihre Standpunkte biblisch rechtfertigen lassen. Dies ist keine einfache Aufgabe. Es zwingt uns, eine Reihe unterschiedlicher Faktoren zu berücksichtigen. Einige sind einfach zu beurteilen, andere sind weniger klar und sollten nicht voreilig beurteilt werden. Bei letzteren handelt es sich um Dinge, die nicht explizit gesagt oder niedergeschrieben wurden. Mit welcher Brille liest jemand die Bibel und legt sie aus? Wir können das nicht mit Sicherheit sagen, sondern allenfalls darauf schliessen aufgrund von Andeutungen und Überlegungen.

Noch eine letzte Bemerkung vorweg: Ich erkenne zwei Hauptprobleme in der Art, wie Insider das Wort Gottes gebrauchen. Erstens, ihre Wortauslegung und ihr Bibelverständnis als Grundlage ihrer Methode. Zweitens, wie sie die Bibel in andere Sprachen übersetzen. Im folgenden widme ich mich dem ersten Hauptproblem, der Wortauslegung. Jetzt wo der Rahmen gesetzt ist, kommen wir zur Sache und eigentlichem Kernproblem:

Stehen „Insider“ auf einer soliden biblischen Grundlage?

Welche Bibelstellen verwenden Befürworter des IM und wie legen sie diese aus, um ihren Ansatz zu erklären und zu rechtfertigen? IM-Befürworter sind einerseits die Missionare und Professoren, die Insider Methoden lehren, aber auch einheimische Insider, die Christus bekennen. Das Problem ist, die meisten von ihnen führen nicht Protokoll darüber, wie sie ihren Dienst biblisch begründen. Um die Frage nach der biblischen Grundlage zu beantworten, sind wir also auf die Schriften von Missiologen, Forschern, Direktoren von Missionsgesellschaften, Lehrer usw angewiesen. In der Vorbereitung dieses Schreibens habe ich mir alles angeschaut, was ich in die Finger kriegen konnte. Im Anhang ist ein Literaturverzeichnis, welches die Quellen angibt; davon ausgenommen sind unzählige Gespräche mit Insidern, die ich im Rahmen einer Felduntersuchung auf zwei Kontinenten geführt habe. Aus Platzgründen kann ich mich nicht über jedes Zitat ausführlich äussern, aber ich habe dies an anderer Stelle getan.

Als erstes fällt einem auf, die überwiegende Zahl von IM-Befürwortern ins Feld geführten Bibelstellen sind Erzählungen. Einerseits ist dies keine Überraschung, denn die Bibel besteht zu etwa vierzig Prozent aus Erzählungen. Andererseits ist Vorsicht angebracht, wenn Lehrsätze oder Anleitungen für die Praxis aus Geschichten abgeleitet werden, wie es IM-Befürworter gerne tun. Lehrsätze sind in Geschichten meist nicht in der Eindeutigkeit festgehalten wie z.Bp. in den Lehrbriefen des Neuen Testaments. Kevin Higgins hat mich zurecht darauf hingewiesen, dass Geschichten schon der Belehrung dienen (Higgins’ Artikel „Speaking the Truth“, siehe Literaturverzeichnis im Anhang). Dies stimmt grundsätzlich schon. Doch meine Bedenken richten sich vor allem auf die starke Abhängigkeit von Geschichten. Eine Wortauslegung beruht auf schwächeren Annahmen und Lehrsätze sind weniger verlässlich, wenn sie sich ausschliesslich aus Geschichtserzählungen ableiten und nicht durch entsprechende Lehrpassagen bestätigt werden.

Zweitens wird offensichtlich wie selektiv IM-Befürworter vorgehen, indem sie nur ganz bestimmte Geschichten auswählen. Einige von ihnen werden besonders häufig verwendet, um IM-Standpunkte zu vertreten. Im folgenden werden wir uns einige von dieser Lieblingsgeschichten näher ansehen.

Drittens scheint die Auswahl der Texte darauf zu beruhen, ob eine Geschichte angeblich historische Insider-Bewegungen beschreibt oder wenigstens Haltungen aufzeigt, die IM-Standpunkte zu unterstützen scheinen. IM-Befürworter geben sich auch grosse Mühe, Insider in der Bibel zu finden, resp. biblische Figuren als Insider darzustellen. Hier ist Vorsicht angebracht. Es ist eine Sache, nach einer biblischen Rechtfertigung zu suchen für etwas, was man hier und jetzt tun möchte. Es ist eine ganz andere Sache, über die Vergangenheit zu bestimmen.

Kevin Higgins stellt den heidnischen Propheten Bileam aus 4. Mose 22-24 dar als einer, der in Beziehung zu Gott steht. Obwohl er als Heide Hellseherei praktiziert, kommuniziert er direkt mit Jahwe. Daraus schliesst Higgins, dass Bileam und Jahwe in einer Beziehung stehen. (Higgins „Inside What?“) Hierbei handelt sich um eine der Lieblingsgeschichten der Insider, die beweisen soll, dass Gott es gutheisst, wenn Gläubige in ihren althergebrachten Kulturen und Religionen verbleiben.

Higgins schreibt: „Dieser Text ist ein Beispiel von einem Angehörigen einer anderen Religion, der zum Glauben kommt an den wahren Gott und trotzdem den wahren Gott innerhalb seines bisherigen religiösen Lebens verehrt. Dies ist nicht nur eine Erzählung, sondern die Bibelstellen enthält einen deutlichen Segen für den Propheten und für seinen Wandel. In dieser Bibelstelle finden wir mindestens einen Fall, wo Gott einen Insider segnet, resp. es gutheisst, wenn Menschen in ihrer angestammten Kultur verbleiben.“

Eine weitere Lieblingsstelle in der Insider-Bewegung ist 2. Könige 5, die Geschichte von Naemann, dem Feldhauptmann Syriens. Vom Aussatz befreit spricht er:

2Kön5.15 Sieh, jetzt weiss ich dass es keinen Gott gibt auf der ganzen Welt als in Israel.

Und fährt dann weiter in Vers 18:

2Kön5.18 Doch darin wolle der Herr deinem Knecht verzeihen: wenn mein König in den Tempel Rimmons geht, um dort anzubeten, und sich dabei auf meinen Arm stützt und auch ich dann im Tempel Rimmons niederfalle, wenn er daselbst niederfällt, so möge der Herr doch deinem Knechte in dieser Sache verzeihen! Er sprach zu ihm: Zieh hin in Frieden!

Higgins bemerkt dazu: „In Naeman offenbart sich eine komplexe Situation: Einige seiner Glaubenshaltungen und Verhaltensmuster änderten sich, während andere unverändert blieben. Was seine Zugehörigkeit betrifft, schien er genauso weiterzumachen wie zuvor. Dies soll uns sensibilisieren und die Möglichkeit vor Augen führen, dass unsere weiseste Antwort in gewissen Situation womöglich die gleiche ist: Geh hin in Frieden!“

Eine weitere Lieblingsstelle der Insider-Bewegung befindet sich im Buch Jona

Jona 1.14 Da riefen sie den Herrn an und sprachen: Ach Herr, lass uns doch nicht umkommen, wenn wir diesen Mann ums Leben bringen, und rechne uns nicht unschuldiges Blut an; denn du, o Herr, hast nach deinem Wohlgefallen getan. Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer.

Higgins stellt dem Unglauben des hebräischen Propheten Jona den Glauben der heidnischen Seeleute gegenüber, welche Jona über Bord werfen. Er nimmt ihre Schreie zu Gott als Beweis dafür, dass sie in einer Beziehung zu Jahwe standen.

Eine beliebte Bibelstelle in den Evangelien ist die Geschichte von Jesus mit der Frau am Brunnen in Samarian.

Johannes 4.23 Aber die Stunde kommt und ist jetzt da, wo die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn so will der Vater seine Anbeter haben.

Johannes 4.39 Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes der Frau willen,…“

Higgins schreibt: „Nach der Bekehrung, wie sie in Johannes 4 festgehalten ist, wurden die Samariter zu Anbetern in Geist und Wahrheit. Aber dies taten sie natürlich in Samarien, an ihren früheren Plätzen der Götterverehrung. Genauso wie Jesus den Vater in Geist und Wahrheit im Tempel in Jerusalem anbetete“ (Kevin Higgins „The Key…“).

An anderer Stelle kommt er dann noch einmal darauf zu sprechen und bezieht es noch direkter auf die Insider-Bewegung und im speziellen auf Muslime: „Das es sich bei dieser Begebenheit um ein Beispiel einer Insider-Bewegung handelt wird auch durch eine andere Tatsache angedeutet: Jesus verbringt zwei Tage in einem Samaritischen Dorf. Die Dorfbewohner bestätigen, dass sie an Jesus als Retter der Welt glauben. Dann zieht Jesus weiter. Und was lässt er zurück? Eine Gruppe von Gläubigen.“

Innerhalb des neuen Testaments werden meist Stellen aus der Apostelgeschichte verwendet: Petrus und Cornelius (Apg 10-11), das Konzil von Jerusalem (Apg 15) und Paulus in Athen (Apg17). Higgins hat neben anderen herausragenden Figuren der Insider-Bewegung viel zu diesen Kapiteln zu sagen.

Die Insider Bewegung sieht im Konzil von Jerusalem als ein Modell für die Kontextualisierung und wie grundsätzlich Fragen der Identität und des Wandels zu behandeln sind (Lumpkin „The Call of Christ…“)

Apg 15.19 Deswegen urteile ich meinerseits, man solle denen, die sich aus den Heiden zu Gott bekehren, keine Schwierigkeiten machen, sondern ihnen nur vorschreiben, dass sie sich von den befleckenden Berührungen mit den Götzen und von der Unzucht und von Ersticktem und vom Blut enthalten.

Apg 15.28 Es schien nämlich dem heiligen Geist und uns gut, euch keine weitere Last aufzulegen ausser diesen notwendigen Stücken,…

Die Entscheidung, den Bekehrten aus den Heiden nicht zu beschneiden, wird als Befreiung der Heiden von der jüdischen Kultur aufgefasst. Und wenn heute Juden zum Glauben ans Jesus kommen und als „messianische“ Juden weiter ihren jüdischen Bräuchen und Ritualen nachgehen, wieso sollte dasselbe Muslimen verwehrt bleiben? Wieso sollte es keine messianischen Muslime und Nachfolger von „Isa al Massiah“ geben? Diese Frage warf John Travis (Pseudonym) in seinem Artikel auf:„Messianic Muslim Followers of Isa…”. Dieser Anstoss wird dann wiederum verallgemeinert und zur allgemein gültigen Regel erklärt, die all jene zu beachten haben, die Christliche Lehre über kulturelle Grenzen hinweg verbreiten. Timothy Warda schreibt in seinem Artikel „The Jerusalem Council and the Theological Task“, JETS 46/2 (June 2003): “Die Prinzipien, die am Konzil von Jerusalem diskutiert wurden, sind heute genauso gültig wie damals: Bekehrte können Jesus nachfolgen ohne ihre angestammte Kultur zu verlassen oder gegen eine andere Kultur einzutauschen.“ Daraus ergibt sich die Ansicht, bei der Beschneidung und dem Gesetz Mose handle es sich hauptächlich um Fragen der jüdischen Kultur.

Apg 15.1 Da kamen etliche aus Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Gebrauche des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden.

Charles Kraft (2005) meint hierzu: „Wenn Gläubige mit einem judaisierendem Geist auf der Beschneidung bestehen, verlangen sie effektiv, dass Heiden sich einer kulturellen Bekehrung unterziehen.“

John Ridgway (2006) macht ein interessantes Zugeständnis: Die Vorkommnisse rund um das Konzil zu Jerusalem zeigen seiner Ansicht nach, dass alle religiösen Gemeinschaften anfällig sind auf Religionsvermischung (Synkretismus). Er bezieht sich auf das, was er für levitische Verbote des Blut trinkens hielt. Dann vergleicht er dies mit westlichen Kirchen, die Marketing Methoden einsetzen. Seine Schlussfolgerung, die er auch für die Einschätzung des Apostels Lukas hält, ist klar: „In jeder Religion gibt es einen gewissen Synkretismus und es gibt keinen Grund, eine Form des Synkretismus über eine andere zu stellen oder einer anderen vorzuziehen. Worauf es ankommt ist, dass wir Salz und Licht sind, in unserer jeweiligen Gemeinschaft.“ Ridgway wird zitiert in Basil Grafas „Evaluation of Scriptural Support”.

Was Paulus und seine Rede auf dem Areopag in Athen (Apg17) angeht, beginnt Higgins seine Erklärung damit, dass er schon wisse, Paulus sei nicht glücklich über die religiöse Weltanschauung der Athener. Und zwar schreibt er: „Kontextualisierung… bedeutet nicht, dass Missionar oder Insider-Verantwortliche annimmt, in einer bestimmten Kultur sei alles Gott wohlgefällig. Apostelgeschichte 17 bringt uns dazu, uns mit Fragen der Sünde und der Finsternis in anderen Kulturen und Religionen auseinanderzusetzen – natürlich auch in unserer eigenen Kultur.“ (Higgins „The Key…“). Trotzdem sieht Higgins Paulus’ Vorgehen als eine Bestätigung der Religiösität der Athener. Higgins bemerkt, der Glaube der Athener sei nicht vollkommen, aber beschreibt das Verständnis der Athener in positiven Tönen: „Apostelgeschichte 17 beschreibt Gottes Souveränität, in dem er Zeiten und Orte festsetzt, in die Menschen hineingeboren werden. Die Absicht Gottes besteht darin, dass diese Männer und Frauen sich auf die Suche nach Gott begeben und ihn auch finden, wie in Apostelgeschichte 17.27 verdeutlicht wird.“

Apg 17.26-27 [Gott] hat im voraus ihre Zeiten und die Grenzen ihres Wohnens bestimmt, damit sie Gott suchten, ob sie ihn wohl spüren und finden möchten, da er doch nicht fern ist von einem jeden unter uns.

Higgins fährt weiter: „Daraus folgt, dass Menschen anderer Religionen in einer Beziehung zum wahren Gott stehen können.“ Schliesslich kommt er zum Schluss, dass die paulinische Lehre nahelegt, dass Paulus selber auch dachte, dass Gott Orten und Zeiten und tatsächlich auch Kulturen absichtlich so geschaffen hatte, damit Menschen Gott suchten und ihn finden würden. „Das war Gottes Absicht…. wir sollten daraus schliessen, dass die Hand Gottes im Spiel war, als die Athener den Altar des unbekannten Gottes herstellten, und dass Gott dies tat, damit die Athener suchend und fragend würden und eines Tages Gott finden würden.“

Higgins rechtfertigt sich dafür, dass er solche Wahrheiten im Koran findet, indem er feststellt, dass: „Paulus zitiert bei seinen Begegnungen nie direkt aus der Schrift, sondern verwendet Zitate von heidnischen Dichtern und Schreibern, um seine biblische Lehren abzustützen.“ (Higgins, „The Key…“) Nach Ansicht von Higgins ist im Islam und in der islamischen Kultur durchaus „Wahrheit von Gott“ zu finden. Dies sei mit Apostelgeschichte 17 zu beweisen. Sein Argument ist nicht, dass Heidentum die Heiden retten könne; und auch der Islam könne dies nicht. Trotzdem ist er überzeugt, Christen können auf Wahrheiten, die in anderen Religionen zu finden sind, aufbauen und Menschen in ihrem Sinn verwandeln, ohne sie aus ihren Glaubenssystemen herauszulösen. (Higgins, „Inside What?“) Higgins begründet seine Meinungen mit diesen Bibelstellen. Dasselbe macht Bernard Dutch. Was der Apostel Paulus hier seiner Ansicht nach tat, war eine Brücke zu bauen für das Evangelium mit „akzeptablen“ Teilen des athenischen Heidentums“ (Dutch, „Should Muslims Become Christians?“).

Die meisten IM-Befürworter betrachten die Geschehnisse in Apostelgeschichte 17 durch eine „kulturelle Brille“. Rebecca Lewis macht eine Verbindung von den Samaritern im Johannes Evangelium zu den Samaritern in Apostelgeschichte 8.

Apg 8.14-17 Als aber die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Und diese kamen hinab und beteten für sie, dass sie den heiligen Geist empfangen möchten. Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sonder sie waren nur getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den heiligen Geist.

Dazu schreibt Lewis: „in der Apostelgeschichte sehen wir, die Samariter blieben in ihren Gemeinschaften und behielten ihre Samaritische Identität bei (Apg 8.14-17). Zunächst aber begriffen die Jünger nicht, dass, wie sie selber Juden bleiben und Jesus nachfolgen konnten, auch die Samariter ebenfalls Samariter bleiben konnten.“ (Lewis, „Insider Movements: Honouring God-Given Identity and Community“). Dies war nur deshalb möglich, weil “das Evangelium nicht als eine Bedrohung für die Gemeinschaft wahrgenommen wurde”, wie sie feststellt. „Eine Insider Bewegung entsteht dort, wo das Evangelium in die nachbarschaftlichen Beziehungsnetze strömt. Indem Gläubige in ihren Familien und Beziehungsnetzen bleiben, ehren Insider-Bewegungen Gott-gegebene Gemeinschaften.“ Bernard Dutch greift moderne Reformierte an, indem er ihnen vorwirft, die Lektion vom Konzil zu Jerusalem vergessen zu haben. „Nach 2000 Jahren und einer protestantischen Gesinnung, die Theologie höher gewichtet als die Gemeinschaft, tappt man schnell einmal in die Falle, in rein theologischen Kategorien zu denken, und die gewichtige Frage der gesellschaftlichen Identität völlig zu übersehen.“ (Dutch, „Should Muslims Become Christians?“) Hat sich das wirklich so zugetragen? Hat die Theologie tatäschlich die Oberhand über die Schriften gewonnen? Haben wir etwas verpasst, was das Konzil von Jerusalem uns sagen will? Wir werden gleich darauf zurückkommen.

Insider graben am falschen Ort

Was können wir daraus schliessen? Haben die IM-Befürworter recht? Haben sie den Nachweis erbracht, dass Insider-Bewegungen in der Bibel zu finden sind? Nein, weder die Existenz von biblischen Insider-Bewegungen ist damit beweisen, noch ihre Vorgehensweise biblisch begründet. Nehmen wir die Bibel zu Hand und betrachten den Stil der Erzählungen, um allgemein akzeptierte Auslegungsgrundsätze anzusprechen. Dann studieren wir diesselben Bibelstellen nochmals, um andere Auslegungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Schliesslich möchten wir verstehen, wieso die beiden Auslegungsmöglichkeiten so stark voneinander abweichen. Mit anderen Worten: Worauf sind die Widersprüche in den Ansichten zurückzuführen? Aus Platzgründen können wir nicht jede Bibelstelle in aller Tiefe diskutieren. Aber wir können die wichtigsten Stellen betrachten, um zu sehen, inwiefern eine Auslegungsweise Gültigkeit beanspruchen kann. Die Ergebnisse der IM-Befürworter wollen wir im Lichte von allgemein akzepierten Auslegungsgrundsätzen analysieren.

Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass jede Seite ihre Experten hat. Ganz abgesehen davon, dass Experten auch mal falsch liegen können. Ich möchte bei den Auslegungsgrundsätzen anknüpfen, die von Evangelikalen verschiedener kirchlicher Traditionen allgemein akzeptiert werden. Diese Grundsätze kommen oft auch in Form von Warnungen, welche Praktiken in der Auslegungsarbeit zu vermeiden sind. Don Carson (1984) warnt in seinem Buch „Exegetical Fallacies“, wörtlich „Fehlschllüsse in der Auslegung“, vor selektivem, von Vorurteilen belastetem Gebrauch von Beweismitteln. Mit anderen Worten, verwende nicht nur Verse und Bibelstellen, die deinen Standpunkt stützen; sondern ziehe alle Textstellen herbei, die ein bestimmtes Thema behandeln. Weiter empfiehlt Carson: Reisse eine Bibelstelle nicht aus dem Zusammenhang heraus, um sie auf etwas anzuwenden, wofür sie nicht gedacht war. Jede Bibelstelle ist in einen bestimmten Zusammenhang eingebettet und folgt dem Fluss der Rahmenerzählung, um Bibelleser geneigt zu machen, sich der Erlösung Gottes zu öffnen. Wie kann ich wissen, ob ich diese Auslegungsgrundsätze richtig anwende? Betrachte einen grösseren Bildausschnitt. Wie verläuft der Gradient? Wo passt mein kleinerer Bildauschnitt rein? Wenn ich meine Nebenerzählung herauslöse und den Verlauf umleite, so dass der Fluss nun plötzlich bergwärts fliesst, dann kann etwas nicht stimmen. Dann haben wir eine verwirrte Sicht der Dinge, schreibt Carson. Dies geschieht dann, wenn wir von unserer gegenwärtigen Erfahrung ausgehen und aufgrund dieser Brille einen alten Text nur verzerrt wahrnehmen. Konzeptuelle Parallelen zu ziehen, ist oft zum Scheitern verurteilt. Carson geht soweit, eine „conceptual parallelomania“ (wörtlich: Wahn der konzeptuellen Parallelen) festzustellen. Nehmen wir z.Bp. einen Experten aus einem bestimmten Fachgebiet, wie z.Bp. ein Psychologe oder ein Soziologe. Dieser Spezialist denkt, er hätte ein besseres Bibelverständnis aufgrund seines Fachwissens. Carson kommentiert: „Viele dieser Spezialisten, die Trugschlüssen erliegen, sind aufrichtige Gläubige, die ihr Fachwissen in der Wortauslegung einsetzen möchten. Sie sind davon überzeugt, eine höhere Form der Erkenntnis zu besitzen, als es tatsächlich der Fall ist. Das Resultat ist meist schrecklicher Unsinn.“

Ich bin einer Meinung mit Don Carson; denn ich habe selber von Zeit zu Zeit unsinnige Auslegungen gemacht. Graeme Goldsworthy kommt in seinem Buch „Gospel-Centered Hermeneutics“ (2006) noch auf ein weiteres Problem zu sprechen, das uns zur Vorsicht mahnen sollte: „Evangelikaler Pragmatismus“ ist, wenn wir „gute und wichtige Wahrheiten“ herausnehmen und es zulassen, dass „zentrale Wahrheiten historischer Ereignisse in den Evangelien“ verdrängt werden. Dies kann geschehen, wenn wir die gegenwärtige Erfahrung eines Christenlebens zum Massstab der Auslegung machen, anstatt das vollbrachte Werk Jesu. Wenn wir Erfolg haben, schreiben wir es automatisch unserem „biblischen Handeln“ zu. T. Norton Sterrett (1974) warnt davor, Lehrsätze auf Grundlage von Schlussfolgerungen aufzustellen. Seine Anleitung lautet: Es sollte ein gewichtiger Anteil an klaren Anweisungen vorliegen und weniger undurchsichtige Passagen oder Erzählungen, wo sich Kernaussagen nur schwer herausarbeiten lassen, bevor ein Lehrsatz formuliert wird. Dabei ist ein gesundes Mass an Vorsicht in Bezug auf eigene Spekulationen geboten.

Fee und Stuart (1982) sagen, wie mit Geschichten umzugehen ist. Geschichtserzählungen aus dem Alten Testament sind keine Lehrpassagen an sich, sondern dienen meist der Darstellung von Lehrsätzen, die an anderer Stelle aufgestellt wurden. Wenn IM-Befürworter also nach Lehrsätzen in Geschichtserzählungen suchen, dann graben sie – um die Worte von Indiana Jones zu gebrauchen – am falschen Ort. Wenn die Vermutung besteht, dass eine Geschichte eine Lehre aufzeigt, dann kann die Geschichte selbst nicht als Grundlage herhalten. Ein besserer Ort muss gefunden werden, um einen Lehrsatz aufzustellen, erklären Fee und Stuart. Wir sollten umsichtig vorgehen und wirklich versuchen den Rahmen, der eine Geschichte umgibt, zu verstehen. Gleichzeitig gilt es mit der Geschichte selbst zu beginnen und nicht mit Einzelheiten am Rande. Dennis Bratcher hat ein Buch geschrieben, welches Richtlinien für die Auslegung von Geschichten geben kann (Guidelines for Interpreting Biblical Narratives, 2010). Bratcher gibt zu Bedenken, dass Handlungen biblischer Personen nicht unbedingt den Normen für unser Verhalten in der heutigen Zeit entsprechen. Dennoch mögen sie die Folgen eines bestimtten Verhaltens aufzeigen. Es liegt eine gewisse Weisheit in dieser Feststellung, auch wenn ich unseren Herr Jesus Christus von der Betrachtung ausnehmen würde.

Ein letztes Wort der Vorsicht von Gerald Bray (2007): „In der frühen Kirchengeschichte stossen wir auf viele Personen, welche im Versuch, die Bibel für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen, eine Kontextualisierung auf die Kultur ihrer damaligen Zeit vornahmen. Heute reden wir von diesen Personen im Kollektiv und bezeichnen sie als Gnostiker.“ Bray ermahnt Bibelleser weiter, auf das zu achten, was ein Text wirklich sagen will, und jene Bedeutung herauszuschälen, die dem Verständnis der ursprünglichen Schreiber, Hörer und Leser am besten entspricht.

[Eine biblisch fundierte Replik]

Betrachten wir die Geschichte von Bileam und Balak in 4. Mose 22-24. Balak ist der Sohn von Zippor, dem König Moabs. Balak fürchtet um sein Land, als sich die Israeliten zunehmend verbreiten. So heuert er Bileam an, um das Volk Israel zu verfluchen. Entgegen Balak’s Plan wird Bileam aber von Gott gezwungen, das Volk Israel zu segnen. Selbst dann, als sich Bileam fest vornimmt, sich Gottes Anordnungen zu widersetzen, stellt sich sein eigener Esel gegen ihn. Endlich sieht Bileam, dass er es mit mehr als mit einem blossen Tier zu tun hat. Den Engel Jahwes sieht er auf dem Wege stehen. Nun wird er geschickt, dem heidnischen König Zeugnis zu geben, vom Gericht über Moab und vom Segen für Israel.

Hat sich in dieser Geschichte nun jemand für einen Friedensvertrag zwischen Jahwe und einer heidnischen Religion ausgesprochen? Können wir Bileam als treuen Nachfolger Jahwe’s bezeichnen, obwohl er formell im Heidentum verbleibt? Bileam anerkennt den wahren Gott, indem er sagt, Jahwe hat zu mir geredet (4. Mose 22.8) und er vermöge den Befehl Jahwes nicht zu übertreten (4. Mose 22.18). Die Bibel bezeichnet ihn jedoch als falschen Propheten in 4. Mose 31.16, weil er das Volk Israel dazubrachte, Jahwe untreu zu werden. Bileam kann als selbstsüchtiger Opportunist bezeichnet werden, der versuchte, aus seinem Ungehorsam gegenüber Gott Profit zu schlagen.

2 Petrus 2.12ff zur Verdorbenheit der Irrlehrer und ihrer Opfer

Diese aber, gleich unvernünftigen Tieren, die als Naturwesen zum Gefangenwerden und Umkommen geboren sind, lästern, was sie nicht kennen, und werden durch ihre sittliche Verderbtheit auch zugrunde gehen, wobei sei um den Lohn der Ungerechtigkeit betrogen werden. Sie achten die Schwelgerei sogar bei Tage für ihre Wonne; Schmutzflecken und Schandmale sind sie, die in ihren Lüsten schwelgen, indem sie mit euch schmausen; sie haben Augen, die voll Begierde nach einer Ehebrecherin sind und von Sünde nicht ablassen; sie locken ungefestigte Seelen an; sie haben ein Herz, das in Habsucht geübt ist; sie sind Kinder des Fluchs. Sie haben den geraden Weg verlassen und sich verirrt und sind dem Wege Bileams, des Sohnes des Beor, gefolgt, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte, aber Zurechtweisung für seine Torheit empfing: ein stummes Lasttier redete mit menschlicher Stimme und verhinderte das törichte Vorhaben des Propheten.

Judasbrief, Verse 10-11

Diese aber lästern alles, was sie nicht kennen; alles aber, was sie wie die unvernünftigen Tiere aus Naturtrieb auszuüben verstehen, darin gehen sie zugrunde. Wehe ihnen! Denn auf dem Wege des Kain sind sie gegangen, und in die Verirrung des Bileam haben sie sich um Lohn hineinreissen lassen, und durch die Widersetzlichkeit gleich der des Korah sind sie umgekommen.

Wir sehen wie Judas Bileam in einem Atemzug mit Kain und Korah nennt – nicht die Art von Gesellschaft, um die sich Insider-Befürworter bemühen, denke ich. Interessanterweise gibt es nur einen Vertreter der antiken Tradition, der ein paar gute Worte für Bileam übrig hat. Origenes hält Bileam für einen Vorfahren der Magier aus dem Osten. Im Gegensatz dazu, identifizieren ihn frühe christliche Ausleger meist als Vorläufer der Freidenker oder der Nikolaiten. Dieser Darstellung folgen Philipp J. Budd (1984) und Dennis R. Cole (2000). Diese Geschichte in 4. Mose will also bestimmt nicht Bileam’s Religion gutheissen, sondern die Unmöglichkeit der Nationen aufzeigen, Gott an der Ausführung seiner Pläne zu hindern. Alles, was sich in 4. Mose niederschlägt, ist eine Folge der Verheissungen Gottes an Abraham.

Eine andere Lieblingsstelle von IM-Befürwortern ist bekanntlich die Geschichte von Naeman und dem Tempel Rimmons in 2. Könige 5. Geht es hier wirklich darum, dass man den wahren, dreieinigen Gott innerhalb einer nicht im Bunde mit diesem Gott stehenden Religion anbeten sollte, wie IM-Befürworter dies behaupten? Die Rahmengeschichte liegt im direkten Widerspruch zur Auslegung der Insider. Es geht nicht um einen grosszügigen Gott, der es gelassen hinnimmt, wenn Naeman lieber ein Heide bleiben will. Die Rahmengeschichte ist Israel’s ständige Hurerei mit heidnischen Göttern. Der Unglaube und Ungehorsam Israels steht im Gegensatz zur Bündnistreue Gottes, die sie ignorieren. Naeman bekennt sich unmissverstehlich zum Glauben an den Bündnisgott Israels. Deshalb wissen wir, dass es sich bei Naeman nicht um einen Synkretisten handelt. Naeman bittet auch nicht darum, im Tempel Rimmons weiterhin anbeten zu können. Richard Nelson (1987) zeigt, dass es um etwas anderes geht. Naeman bittet, seinen König als dessen persönlichen Assistenten in den Tempel begleiten zu können. Gott richtet sich in diesem Abschnitt tatsächlich an die Nationen, aber in einer unerwarteten Wendung: Gott wird die Nationen aus der Knechtschaft der Sünde befreien. Gott schenkt den Sieg über moralische und körperliche Folgen der Sünde. Das bedeutet Shalom – Gott gibt uns Frieden und führt uns in seine Ruhe ein. In diesem Sinne schickt Elisa den Naeman zurück in feindliches Gebiet, aber lässt ihn im Wissen, dass Gott mit ihm geht.

Der Kontext erklärt Elisa’s Shalom (Zieh hin in Frieden! 2. Könige 5.19). Es ist nicht so, dass Naeman’s Verbleib im Heidentum an dieser Stelle gutgeheissen wird. Naeman bittet um Verzeihung, weil er weiss, dass er wahrscheinlich nie mehr nach Israel zurückkehren würde. Er sieht, dass er keine Möglichkeit haben wird, in einer Glaubensgemeinschaft anzubeten, die im Bunde mit Gott steht. Naeman ist in einer schwierigen Situation und zeigt ein zartes Gewissen. Wie Paul House (1995) feststellt, will Elisa hier nicht noch mehr Schuld auf Naeman laden und nimmt Rücksicht auf seine gegenwärtige Situation. (House wird zitiert in John Span’s Artikel „God Saves… Go in Peace“.) In dieser Bibelstelle ist der Kontext entscheidend: Wenn er weggelassen wird, ändert sich die gesamte Bedeutung.

Gary Corwin stellt in seinem Appell an die Adresse der Insider (Corwin „A Humble Appeal“) fest: Es gibt ein altbekanntes Prinzip innerhalb der Mission, dass man Frischbekehrten Zeit lässt und einige Kompromisse in Kauf nimmt, bis diese jungen Gläubigen eine neue Identität ausserhalb des Islam gefunden haben. Die Insider-Befürworter gehen hier jedoch viel weiter, indem sie Gottes Anspruch auf eine innerlich wie äusserlich exklusive Verehrung mit Missachtung strafen.

Was ist mit den Seeleuten, die zu Gott riefen, während Jona vor dem Angesicht Gottes floh? Werden sie als wahre Gläubige bestätigt? Wir wissen, dass die Seeleute Jahwe fürchteten.

Jona 1.14 Da riefen sie zu Jehova und sprachen: Ach, Jehova! Lass uns doch nicht umkommen um der Seele dieses Mannes willen, und lege nicht unschuldiges Blut auf uns; denn du Jehova hast getan, wie es dir gefallen hat. Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da liess das Meer ab von seinem Wüten. Und die Männer fürchteten sich vor Jehova mit grosser Furcht, und sie schlachteten Schlachtopfer und taten Gelübde dem Jehova.

Higgins kommt zum Schluss, die Seeleute haben eine persönliche Beziehung zu Gott. Handelt es sich um religiöse Doppelbürger? Statt etwas in die Geschichte hineinzulesen, betrachten wir erst einmal die Sachlage. Die Handlungen der Seeleute zeigen: Sie sind religiös und glauben, dass Jona’s mächtiger Gott, Jahwe, existiert. Dies bedeutet aber nicht, dass sie auf einmal Monotheisten geworden wären. Es gibt keinen Hinweis in der Bibel, dass die Seeleute irgendetwas anderes getan hätten, als Jahwe in die Liste ihrer Götter einzureihen. Zusätzliche Opfer für einen zusätzlichen Gott (Nikides, „A Response to Kevin Higgins…“)

Kommen wir zum Neuen Testament: Was ist mit dem Konzil von Jerusalem und den Heiden? Welches waren die Teilnehmer, welche die Entscheide fällten? Worum ging es hauptsächlich? Ging es um Kontextualisierung oder waren andere Fragen im Zentrum? Wir kriegen einen Eindruck von den Protagonisten, wenn wir nicht nur Apostelgeschichte 15 lesen, sondern auch die Vorgeschichte mit der Bekehrung des Hauptmanns Cornelius in Apostelgeschichte 10. Petrus kommt zur Überzeugung, dass Gott das Volk Gottes neu definiert hat und Heidenvölker miteinbezieht. In Apostelgeschichte 11 wird Petrus vorgeworfen, Gemeinschaft mit unbeschnittenen Männern zu pflegen. Petrus verteidigt an dieser Stelle die Aufnahme der Heiden. Wir stellen also fest, es handelt sich nicht um sog. Pharisee Background Believers (PBB, wörtlich: Gläubige mit Pharisäer-Hintergrund), wie Brian K. Petersen sie bezeichnet, ja nicht einmal um jüdische Gläubige! IM-Befürworter verschleiern die Bedeutung dieser Bibelstelle, indem sie diese Begriffe in der Literatur verbreiten. Die Bibel nennt sie lediglich „die aus der Beschneidung“ (Apg 11.2) oder „etliche aus Judäa“ (Apg 15.1) oder „von der Partei der Pharisäer“ (Apg 15.5). „Die von der Beschneidung“ ist ein passender Name, denn sie setzten ihr Vertrauen auf die Beschneidung statt auf den Glauben an Christus. Sie hielten die Beschneidung für die Grundlage oder mindestens für eine Voraussetzung für die Errettung. John R. W. Stott (1990) bringt es auf den Punkt: Diese Judaisierer dachten, sie müssten Mose das vollenden lassen, was Jesus begonnen hatte. Mit anderen Worten, die Judaisierer hatten alles verkehrt herum. Sie machten Christus zum Wegweiser weg von sich selbst, hin zu etwas scheinbar Grösserem: Rettung in der Bundesgemeinschaft, durch Zugehörigkeit zum sichtbaren, irdischen Volk Gottes, Israel. In diesem Plan, war Christus die Rolle zugedacht, als Tor zur bestehenden jüdischen Nation zu fungieren.

Das Konzil von Jerusalem antwortete darauf, indem es diese Haltung der Pharisäer als Absage an den wirklichen rettenden Glauben wertet und nicht als einen im Gesetz Mose verhafteten aber durchaus gangbaren Glaubensweg.

Apostelgeschichte 15.11 Vielmehr durch die Gnade des Herrn Jesus glauben wir gerettet zu werden auf dieselbe Weise wie auch jene.

Um es klar auszudrücken: Bei der Haltung der Pharisäer handelte es sich um eine falsche Religion, eine Sackgasse, eine Täuschung, einen Weg, der in den Tod führt. Paulus verurteilte die Pharisäer nicht etwa als Kleingläubige, sondern als Scheinchristen; Leute, die sich als Gläubige ausgaben. Ihren Anspruch, zur christlichen Gemeinschaft zu gehören, wurde jedoch durch ihre Handlungen als Lüge entlarvt. In Galater 2 nennt er sie falsche Brüder:

Galater 2.2-4 Aber nicht einmal Titus, mein Begleiter, der ein Grieche war, wurde gezwungen, sich beschneiden zu lassen. Weger der eingedrungenen falschen Brüder aber, die sich eingeschlichen hatten, um unsre Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, auszukundschaften, damit sie uns knechten könnten -, denen gaben wir auch nicht für eine Stunde durch Unterwerfung nach, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.

Es handelte sich also um falsche Brüder, die nicht das waren, was sie vorgaben zu sein. Im Verborgenen agierend, arbeiteten sie daran, die Wahrheit des Evangeliums zu zerstören. Scheinbar taten sie dies im vollen Bewusstsein, schreibt Ronald Y. K. Fung (1988, The Epistle to the Galatians). Ihr Werk war jenes von Irrlehrern.

Dies waren die Protagonisten, die eine herrliche Entscheidung in Apostelgeschichte 15 herbeiführten, welche prophetische Erfüllung brachte und weltweit für die Kirche gelten sollte: die Zulassung von Heiden mit der Taufe aber ohne Beschneidung. Das einzig zusätzlich Erforderliche waren vier jüdische Verbote, die wahrscheinlich heidnische Rituale betrafen – ähnlich dem Rat, den Paulus den Korinthern gab, kommentiert David Peterson (2009).

Dies bildet der Hintergrund zu dieser grossen, einzigartigen Entscheidung. Da gab es keine Debatte zwischen echten Gläubigen über den taktischen Gebrauch von Kontextualisierungsstrategien. Dieses Treffen und Pfingsten waren entscheidende Momente in der weltweiten Verbreitung des Evangeliums. Die Blume blühte auf. Zugleich bekräftigte es die Tatsache, dass die Verbreitung des Evangeliums zur zentralen Aufgabe einer einzigen, sichtbaren, geeinten, im Bunde mit Gott stehenden Glaubensfamilie werden sollte. Timothy George (1994) fasst zusammen: Paulus würde nicht mit falschen Brüdern zusammenarbeiten, obwohl diese vorgaben, christliche Brüder zu sein; denn die theologischen Standpunkte, die diese vertraten, waren eine Antithese zur Botschaft des Evangeliums.

Timothy Wiarda (2003) stellt zwei diagnostische Fragen an den Text. Erstens, inwiefern betrachteten Teilnehmer am Konzil die Beschneidung und das Gesetz Mose als kulturelle Angelegenheit? Zweitens, wurde die theologische Entscheidung als universell gültig (d.h. anwendbar auf alle Menschen, sowohl Juden als auch Heiden) oder nur als lokal geltende Regelung (d.h. auf einen Kulturkreis beschränkt) betrachtet?

Was die erste Frage angeht, so war die Beschneidung sicher mehr als ein kulturelles Merkmal. Die Beschneidung bezog sich auf die Mitgliedschaft zur jüdischen Nation und deren Beziehung zum Bündnisgott Jahwe. Die Beschneidung galt als historisches Zeichen und als Siegel in Bezug auf Verheissungen und Segnungen, die nur in diesem Bund zu finden waren. Demnach war sie eng verknüpft mit dem Heil, sozusagen eine Frage von Leben und Tod.

In Bezug auf die zweite Frage, erklärte Petrus, das Gesetz war „ein Joch, das weder unsre Väter noch wir zu tragen vermocht“ hatten (ApG 15.10). Damit wird nahegelegt, dass es sich bei der Entscheidung des Konzils nicht um eine lokal gültige Regelung oder eine lokal angepasste Theologie handeln sollte. Da sind wir also weit entfernt von einer bloss kulturell kontextuellen Debatte, wie sie die Insider verinnerlicht haben. Es kann auch nicht als Vorlage herhalten für Diversity-Programme, die ein friedliches Zusammenleben in der Vielfalt der Weltreligionen anstreben. In dieser Bibelstelle wird das Heil in Christo hinausposaunt, eine Rettung durch Gnade allein, nach den Schriften; ein Volk wird für seinen Namen gewonnen. Aus dieser Bibelstelle lässt sich nicht ableiten, dass Menschen, die Jesus lieben, in ihren nicht biblischen Traditionen oder unbiblischen Religionen verbleiben.

Es handelt sich um einen Fall höchster Ironie. Indem sich Insider-Befürworter auf die Apostelgeschichte berufen, haben sie einen Text gewählt, der zeigt, wie die frühe Kirche bestrebt ist, Trennungen zu beseitigen. Es wird nicht ein Glaubensinhalt verschiedenen Religionen angepasst, sondern Gemeinschaft an einem Tisch gesucht. Das scheint mir sehr ironisch. Die Methoden, die von Insidern entwickelt und gelehrt werden, stellen neue Trennwände auf, anstatt diese zu beseitigen. Insider-Methoden verhindern, dass eine Gemeinschaft von Erlösten entstehen kann.

Was ist mit Paulus’ Rede auf dem Areopag in Athen in Apostelgeschichte 17? Ist dies ein Beweis dafür, dass Gott Brücken fürs Evangelium baut und dabei heidnisches Material verwendet? Ist dies eine Bestätigung dafür, dass Heiden wirklich Gott kennen, wenn ihre Erkenntnis auch unvollkommen sein mag? Kann diese Bibelstelle als Legitimation dafür dienen, den Koran zu benützen, um das Evangelium zu erklären? Higgins ist scheinbar der Ansicht, dass Paulus’ Zitate heidnischer Philosophen eine stillschweigende Zustimmung darstellen und die Echtheit des Glaubens der Athener bestätigen. Somit ist es gerechtfertigt, wenn „Messianische Muslime“ im Islam bleiben.

Paulus verkündet die gemeinsame Abstammung aller Völker. Fährt dann aber fort und erklärt, dass Gott alle Menschen richten wird, und zwar in Abhängigkeit ihrer Beziehung zum auferweckten Jesus.

Apg17.30 Über die Zeiten der Unwissenheit nun hat Gott hinweggesehen; jetzt aber lässt er den Menschen verkündigen, dass sie alle überall Busse tun sollen, wie er denn einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis mit Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den er dafür bestimmte. Und er hat ihn für jedermann dadurch beglaubigt, dass er ihn von den Toten auferweckt hat.

Wenn Paulus Bezug nimmt auf griechische Philosophie, sagt er dabei nicht, jeder Mensch egal welcher Religion kann gerettet werden. Es wird hier eine Akzeptanz gezeigt für Religionen, die nicht im Bunde mit Gott stehen. Im Gegenteil, Paulus benützt einen lokalen Hinweis um den universellen und ausschliesslichen Heilsanspruch des Evangeliums deutlich zu machen.

Apg 17.32 Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, die andern sagten: Wir wollen dich darüber ein andres Mal wieder hören.

Dieser Vers zeigt die Reaktionen auf die Rede von Paulus. Griechische Religion oder Philosophie konnte niemals zum Heil führen. Diese Wege führten in die falsche Richtung. Anstatt Heiden auf dem Pfad des Verderbens zu belassen, will Paulus sie an der Kreuzung abfangen und ihnen den Weg des Lebens aufzeigen.

Was IM-Verfechter unter den Teppich kehren

Am Schluss einer Kurzgeschichte „Silver Blaze“ wird Sherlock Holmes gefragt, wie es ihm gelang, diesen scheinbar unlösbaren Fall eines Pferdediebstahls zu lösen. Holmes antwortete, dass es der bellende Hund war, der den Verbrecher verriet. Sein Assistent Dr. Watson stellt fest, dass nachts kein Hund bellte. Darauf meinte Holmes, dass es genau das fehlende Bellen war, das ihm den Schlüssel zur Lösung gab. Es war nicht, was er sah oder hörte, das ihn zu einer Überzeugung brachte, sondern es war das, was er nicht hörte. So müssen wir denn aufpassen, welche Bibelstellen die Insider-Befürworter auslassen, um ihre Auffassungen zu rechtfertigen. Es ist typisch für Missiologen wie mich, die Insider-Methoden kritisch gegenüberstehen, über die Auslegung jener Bibelstellen zu streiten, die von Insider-Befürwortern zu ihrer Verteidigung hervorgebracht werden. Dies lenkt aber ab von dem, was die Insider-Befürworter weglassen. IM-Befürworter halten dies für einen ungerechtfertigten Anspruch. Sie wenden ein, die Bibel rede über so viele Dinge, dass es gar nicht möglich sei, eine Idee hervorzubringen, die im Einklang mit allen Bibelstellen steht. Zugegeben, das klingt plausibel, aber bei näherer Betrachtung sehen wir, ihr Einwand ist gegenstandslos.

Es gibt nämlich eine Vielzahl von Bibelstellen, die sich direkt mit diesem Thema auseinandersetzen. Wenn wir uns ernsthaft vergewissern möchten, dass die Ideen der Insider biblisch zu rechtfertigen sind, dann müssen wir uns mit diesen zusätzlichen Bibelstellen ebenfalls beschäftigen. All diejenigen unter uns, die auf dem Gebiet der Theologie, Bibelstudien oder Missiologie tätig sind, wissen, dass ihre Arbeit in akademischen Kreisen nur dann ernst genommen wird, wenn sie objektiv und redlich vorgehen. Um dies sicherzustellen, müssen wir die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, die Sicht unserer Kritiker ebenso miteinbeziehen wie Bibelstellen, die unserem Standpunkt widersprechen. Hierbei handelt es sich um ein ernsthaftes wenn nicht ungeheuerliches Versäumnis von IM-Befürwortern. Wir sollten Hunde bellen hören, aber das tun wir nicht. Das sollte uns eine Warnung sein.

Wo sind einige dieser stummen Hündchen? Hierbei handelt es sich um Bibelstellen und Erzählungsstränge, die einzelne Geschichten in einen grösseren Rahmen einordnen. Wenn die Bibel eine Einheit darstellt, dann können wir erwarten, dass ein roter Faden durch die ganze Bibel verläuft. Liberale Theologen sehen das anders: In ihren Augen ist die Bibel nichts anderes als eine Sammlung von Ideen, die nichts miteinander zu tun haben – so wie Papierfetzen, zusammengeheftet wurden. Das ist nicht unsere Sicht der Dinge. In der Bibel finden wir übergeordnete Themen, die verschiedene Erzählungen und Begebenheiten miteinander verbinden. Das ist wie ein Fluss, der von verschiedenen Bächen gespiesen wird und dann zusammen mit anderen Flüssen, in einen Strom mündet. Ist nicht das Heil in Christo ein solches übergeordnetes Thema, das Geschichten vereint? Dieses Thema liegt den Geschichten in Apostelgeschichte 15 und Johannes 4 auch zu Grunde. Können wir wirklich so tun, als wäre das gegenseitige Verständnis zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen das übergeordnete Thema dieser Kapitel? Ist die Botschaft der Erlösung nicht viel wichtiger? Kommt die gute Nachricht in diesen Kapiteln nicht viel deutlicher zum Ausdruck? Meine Untersuchungen der Insider Literatur haben gezeigt, dass ein Weg, den Gott wählt, um sowohl im Alten Testament wie auch im Neuen Testament die Wahrheit in der Welt zu verkünden, völlig übersehen wird: Die Idee des Bundes.

Meiner Ansicht nach, ist das Fehlen eines Bundes zugleich der Todesstoss für die Ideen der Insider-Bewegung. Dieses Versäumnis ist für viele Fehler verantwortlich, die in der Wortauslegung gemacht werden. Die Apostelgeschichte ist in den Augen der Insider ein Zeugnis für die Weiterentwicklung des historischen Volk Gottes, welches mihilfe einer interkulturellen Dynamik über die ethnischen Grenzen Israels hinauswächst. Damit schaffen sie den nötigen Raum, um Muslime in der fortschreitenden Weiterentwicklung ebenfalls miteinzubeziehen. Ein Grund für diese verzerrte Wahrnehmung sehe ich in der mangelnden Wertschätzung von Seiten der Insider für den Bund: Das ist der Weg, wie Gott mit den Menschen handelt. Damit verbunden ist die Missachtung der Insider von Bibelstellen, welche das Kernproblem des Götzendienstes thematisieren. Weshalb drehen sich so viele Verse von 1. Mose bis zur Offenbarung um diese Sünde? Schauen wir genau hin! Das ist nicht deshalb nötig, weil es den Menschen etwas an Erkenntnis fehlt; sondern weil Menschen, die im Bilde Gottes geschaffen sind, gefallen sind. Weil wir das Bild Gottes in uns tragen, sind wir schöpferisch tätig. Wir sind beziehungsorientiert, weil der dreieinige Gott es auch ist. Das ist das, was wir widerspiegeln. Aber alles, was wir tun, tun wir als gefallene Sünder. Dies bedeutet, die Dinge, die wir schaffen, haben kein Leben und bringen Gott keine Ehre, wie Francis Schaeffer schreibt.

Wir sind so geschickt im Herstellen von Fälschungen, dass Gott eingreifen muss, um uns zu retten vor unserer Neigung, uns von ihm zu entfernen. In der Bibel dieses Eingreifen Gottes geschieht in Form eines Bundes, den Gott mit den Menschen macht. Dies ist ein Weg, wie Menschen wirklich in Beziehung zu Gott und durch ihn zueinander treten können. Wenn wir über die Insider-Bewegung nachdenken und darüber reden, scheinen uns Ausdrücke wie „falsche Religion“ oder „gefallene Natur“ der Menschen als Übertreibung. Doch unsere geistlichen Vorfahren in der frühen Kirchengeschichte haben einiges dazu zu sagen. Sie verstanden es besser, dass schlechte Ideen dann am gefährlichsten sind, wenn sie guten Ideen sehr ähnlich sind. Die frühe Kirche erkannte darin ideologische „Engel des Lichts“, mit denen wir nicht in Kontakt treten, sondern die wir von uns weisen sollen. Diese schlechten Ideen mussten verworfen werden, nicht weil gar kein Stück Wahrheit in ihnen steckte, sondern weil wir als Sünder geneigt sind, Dingen anzuhangen, die unseren Glauben schädigen. Teile der kanaanitischen heidnischen Religion waren es letztlich, die das Volk Israel ins Verderben führten. Sie wussten damals auch das grosse Dinge einen Kern besitzen; die Aussenhülle mochte gut und gewohnt aussehen, aber im Kern waren sie schlecht und irreführend. Die Bibel ist die wahre Geschichte eines Volkes, einer Familie und ihrer Beziehung zu Gott. Diese Beziehung war das Einzige, was die Wahrheit bewahren konnte in einer Welt von Fälschungen und Wegweisern, die alle in eine falsche Richtung zeigten. So sammelte Gott sich ein Volk für sich; eine Familie, die er entschieden lieben wollte. Und es war in der Fülle der Zeit, wo alles auf den Punkt gebracht wurde: Jesus Christus unser Herr.

Dies ist die Idee des Bundes im Lichte seiner Auferstehung, und es lässt sich nicht in Einklang bringen mit den Ideen der Insider-Bewegung und ihren zusammengewürfelten Geschichten. Es ist mir ein Anliegen, jetzt nicht den Olivenzweig als Zeichen des Friedens jenen entgegenzustrecken, mit denen ich nicht einverstanden bin. Sondern ich möchte sie einladen, sich voll und ganz auf die Seite von Gottes sichtbarer Familie zu stellen, seinen Olivenbaum, sein Volk, die Erlösten in Jesus Christus.

IM-Befürworten zeigen mit dem Finger auf Geschichten, wo Gott in der Welt unter Heiden wirkt, aber übersehen dabei den grösseren und überwältigenden Teil der Bibel, wo Religion ausserhalb des Bundes nicht mit Licht, sondern mit Wildnis, Exil und Tod gleichgesetzt wird. Das entspringt einer theologischen Sicht, die sich allem und allen öffnen möchte. Diese Sicht mag resultieren, wenn man die Bibel nicht als Einheit versteht, sondern sie als eine Sammlung von scheinbar wahllos zusammengewürfelten Geschichten liest. Es trifft schon zu, dass Aussenstehende d.h. nicht zum Volk Israel gehörende ihren Platz haben: Rahab stellt sich nicht nur auf die Seite von Gottes Volk, sondern sie wird eine von ihnen, tritt in den Bund mit Gott ein. Die Juden hatten Mühe zu verstehen, dass Landbesitz, das Gesetz Mose und ihre ethnische Identität nicht Belohnungen darstellten, auf die der Bund sich bezog. Sie sollten kein Selbstzweck sein, sondern Wegweiser auf das Königreich Christi und ihre Mitgliedschaft in einer weltweiten Familie, die sich mit diesem König verbinden würde. Das Endziel war niemals das Gesetz Mose, sondern ewiges Leben in Christus als Mitglied seiner Familie, als auferweckte, erneuerte und neugeschaffene Menschen. Der Fehler, den die Judaisierer machten, war ihr ausschliesslicher Blick auf die Mittel i.e. die äusserlichen Formen des Bundes anstatt auf das Ziel i.e. die Verbundenheit mit Christus durch den Leib Christi. Diese Familie galt unseren geistlichen Vorfahren als die Eine, Heilige, Katholische (d.h. Universelle) und Apostolische Kirche. Sie bildet eine Einheit, weil Christus nur einen Leib hat. Eine Tatsache, die uns jedesmal vor Augen geführt wird, wenn wir Abendmahl feiern. Sie ist Heilig, weil sich diese Familie von allen anderen unterscheidet. Ihr Bund mit Gott, ihre Ethik und ihre Beziehung zum Haupt der Gemeinschaft sind Eigenschaften, die diese Famillie von anderen abhebt. Sie ist Katholisch, weil sie in der ganzen Welt und über alle Zeitepochen Ausbreitung fand. Sie ist apostolisch, weil sie von Gott offenbarte Worte des Lebens in die Welt hinausträgt – ohne etwas hinzuzufügen und ohne etwas wegzunehmen.

Mir gefällt es wie Tom Wright (1997) die Geschichte erzählt: In den kanonischen Büchern der christlichen Bibel gibt es ein einziges übergeordnetes Thema. Ein roter Faden, der von der Schöpfung bis zur neuen Schöpfung verläuft. Der Grossteil der Geschichte dreht sich um das Geschick einer einzigen Familie im Nahen Osten. Sie wird beschrieben als die Familie, durch die der Schöpfergott handeln wird, um die ganze Welt zu retten. Die Wahl dieser Familie bedeutet nicht, dass der Schöpfer das Interesse an den anderen Menschen verloren hätte; im Gegenteil, das ist bewusst so gewählt. Gott möchte diese Menschen mit seinem Rettungsplan erreichen und hat sich diese eine Familie ausgesucht, um durch sie seine Pläne zu vollbringen.

Dies denke ich trifft es auf den Punkt, was die mangelhafte Wortauslegung der Insider angeht. Ich habe viel über dieses Thema nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass es zwei Faktoren gibt, die verantwortlich sind für die Insider Methoden, wie sie sich herauskristallisiert haben und für die Art, wie Insider mit den Schriften umgehen und in ihren Auslegungen erheblich strapazieren. Zum einen ist das die Unmittelbarkeit von lebensverändernden persönlichen Erlebnissen und zum andern Wechselwirkungen zwischen der Insider-Bewegung und beliebten Ansichten aus Gebieten der Missiologie, der Soziologie, der Geschichte und der Theologie. Um es einfach auszudrücken, Insider-Bewegungen sind das Ergebnis von unmittelbaren subjektiven Erlebnissen und modischen Ideen. Ich möchte sogar so weit gehen und sagen, sowohl IM-Befürworter als auch IM-Kritiker werden von diesen beiden Faktoren beeinflusst. Es wäre zu einfach zu behaupten, die einen seien offen für neue Ideen und die anderen nicht, oder die einen stützen sich auf die Bibel und beten während die anderen dies nicht tun. Es geht jetzt in dem Fall auch nicht darum, unterschiedliche christliche Gruppen miteinander zu versöhnen. Sicher, es ist überall genügend Sünde vorhanden, dass es wahrscheinlich auch viel zu bereuen gibt. In dieser Streitfrage beteiligen sich mehr als genug intelligente, kreative Köpfe. Niemandes Antwort ist ein Anzeichen mangelnder Substanz. Das Problem ist, dass wir einander nicht weiterbringen, indem wir uns alle jeweils auf unseren eigenen Erfahrungen und Beobachtungen stützen.

Mein Wunsch wäre es, dass wir zusammensitzen und versuchen diese Streitfrage zu lösen; nicht indem wir uns in intimen Kleingruppen treffen. Obwohl bessere Beziehungen dabei helfen können, besteht die Gefahr, wichtigere Aufgaben aus den Augen zu verlieren. Unsere unterschiedlichen Ansichten beruhen auf grundsätzlichen-Fragen der Theologie und der biblischen Lehre. Dabei ist zweitrangig, ob wir die Beweggründe und Umstände verstehen, die diese unterschiedlichen Ansichten hervorbrachten. Die frühe Kirche hat uns gezeigt, wie wir mit solchen Schwierigkeiten umzugehen haben. Darüber lesen wir in der Apostelgeschichte und später bei den früheren Kirchenvätern. Verschiedene Teile der sichtbaren Kirche versammelten sich, um zusammen zu beraten und wichtige Themen der biblischen Lehre festzulegen. Dies geschah in öffentlichen Sitzungen. Schauen wir uns die Berichte von Augenzeugen an. Da ging es nicht immer schön und friedlich zu und her. Aber in diesen öffentlichen Sitzungen befasste man sich mit dem sorgfältigen Studium von Gottes Wort. Diese Versammlungen beschäftigten sich mit Fragen, wie die Bibel zu lesen und zu verstehen war und wie Bibelstellen auf den Dienst angewendet werden konnten. Lassen wir uns nicht täuschen durch moderne Historiker wie Adolf Harnack: Diese Treffen waren keine von philosophischem Gedankengut durchdrungene Tragödien, die den Sieg der griechischen über die hebräischen Offenbarungen darstellten. Dies waren ernsthafte (im besten Sinn des Wortes) Treffen, die von Gottes Wort durchdrungen waren. Ich weiss nicht, wie so ein Treffen heute aussehen würde. Wir haben keinen Kaiser, der vermitteln könnte. Wir sind Kinder unserer Vergangenheit; und dies bedeutet, wir sind einander entfremdet nach den zahlreichen Trennungen in der Familie der Erlösten. Wir stellen einen fragmentierten Leib dar, ein trauriges Zeugnis für einen Fürsprecher der Reformation. Trotz allem, wir können nichts Besseres tun, als uns auf Gottes Wort zu konzentrieren.

Epheser 4.1-6 Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, würdig der Berufung zu wandeln, durch die ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragend, bemüht, die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der über allen und bei allen und in allen ist.

Im Lichte der Bibel gibt es keinen Raum dafür, eine bestimmte Religion als kulturellen Ausdruck zu verstehen oder als neutral in ihrem Wahrheitsanspruch oder als losgelöst von Glaubensfragen und dem Vertrauen auf Gott.

Erlauben Sie mir, Tom Wright (1997) nochmals zu zitieren. Er zeigt hier den Unterschied zwischen einer biblischen Sicht und unserem Verständnis von Religion: Der übergeordnete Erzählungsstrang in der Bibel fordert das Christentum oder auch den Judaismus als „Religion“ (im Sinne der Aufklärung) heraus. In der Aufklärung wurde nahegelegt, dass die Wahrheit im Deismus zu finden sei und alle „Religionen“ seien verschiedene Ausdrucksformen von menschlichen Ideen über Gott oder von menschlichen Erfahrungen mit einem fernen und nicht zugänglichen Gott. Die meisten wirklich frommen Menschen und Gruppen würden dem aber sofort widersprechen. Wer dies einmal verstanden hat, dem wird auch klar, dass die Bibel und der Koran nicht gleichzeitig wahr sein können. Wenn das eine wahr ist, dann ist das andere nicht wahr usw.; dasselbe gilt für Hinduismus, Buddhismus usw.

In diesem Zusammenhang stört das Weglassen von Lehrpassagen, welche gegen Götzendienst reden, besonders stark. Aufgrund dieser Abwesenheit erscheint die deutliche Haltung der Schriften in einem falschen Licht. Das ist etwa so wie wenn Theologen nur Gottes Liebe und nie über seine Eifersucht sprechen würden.

Was den Umgang der Insider mit der Schrift angeht, so ist es schwierig die persönlichen Erfahrungen zu übersehen, denn diese überragen alles andere. Immer und immer wieder sind wir mit ihren felsenfesten Überzeugungen konfrontiert – Überzeugungen, die ihre Wurzeln nicht in der Bibel haben, sondern im Glauben an die Wahrhaftigkeit der subjektiven Erfahrung. Ich kann mich natürlich täuschen, aber mir scheint, die Worte der IM-Befürworter gründen in der Überzeugung, dass das, was er oder sie erlebt hat, wahrhaftig und gut sei. Der Aufbau ihrer Artikel scheint jeweils diesem Muster zu folgen. IM-Befürworter brauchen nicht bloss die Bibel, um ihre Insider-Methoden zu rechtfertigen, sondern sie vermischen die Schriften mit ihren subjektiven Eindrücken und Erfahrungen. Demnach sind Insider Bewegungen nicht ähnlich wie biblische Vorbilder, sondern sie werden ihnen gleichgesetzt. Hierzu den bereits zitierten Basil Grafas („Evaluation“): Ridgeway zieht nicht nur Parallelen zwischen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament und Insider-Bewegungen, sondern er glaubt, dass damals tatsächlich Insider-Bewegungen existierten, obwohl es sich um Neubildungen handelt. J. Dudley Woodberry schreibt in seinem Artikel „To the Muslim I Became a Muslim“: Wenn Paulus seine Missionsreisen heute wiederholte, würde er dann nicht hinzufügen: den Muslimen ward ich ein Muslim? Woodberry setzt einen Muslim der Gegenwart einem Juden oder Griechen des ersten Jahrhunderts gleich. Der Vergleich ist nicht ungefähr, sondern exakt. Kevin Higgins behauptet, jede Bewegung hin zu Jesus ist in gewisser Weise eine Insider-Bewegung. Denn jede Bewegung zu Jesus findet innerhalb einer Kultur oder innerhalb kultureller Aspekte statt. (Higgins, „The Key…“). Jameson und Scalevich stellen uns einen Insider, Dawud, in spannender Weise vor. Die Autoren fragen: War Dawud ein Jude des ersten Jahrhunderts oder ein Muslim des zwanzigsten? („First Century Jews and Twentieth Century Muslims“). Brian K. Peterson, der sich Insider-Bewegungen innerhalb des Hinduismus annimmt, schreibt zum Konzil von Jerusalem und bezieht sich dabei auf die Judaisierer als Gläubige pharisäischer Prägung, auf englisch: Pharisee Background Believers (Peterson, „The Possibility of a Hindu Christ-Follower…“)

Was haben wir nun? In gewisser Weise wäre es ja schön, wenn wir einen anderen Ort in einer anderen Zeit einnehmen könnten, um die Geschichte der Heilsverkündigung mitzuschreiben. Leider entsteht da etwas weitaus Gewagteres: Wenn IM-Befürworter Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen lassen, setzen sie die Gegenwart der Vergangenheit gleich. Howard Marshall empfiehlt uns zwar, zwei Zeiten nicht so stark voneinander zu unterscheiden, dass es uns nicht mehr gelingt, eine Wahrheit auf unsere Situation anzuwenden; aber die Ausgewogenheit sollte dabei vorherrschen. (Marshall 1980). Wir können anhand der Vergangenheit lernen und diese Weisheit auf eine andere Zeit anwenden, aber antikes Judentum und frühe Kirchengeschichte sollten nicht als Dramen neu geschrieben werden, in denen Insider und Outsider vorkommen und irgendwelche weiteren sozialen Gruppen. Historischen Personen Worte in den Mund zu legen, macht diese mundtot. Das geht gar nicht! Indem wir dies zulassen, berauben wir Gottes Wort der Möglichkeit, Distanz zu wahren und Unterscheidungen zu treffen. Wenn wir die Schriften zähmen, kritisieren uns diese nicht mehr länger. Es nützt nichts, wenn IM-Befürworter sich pauschal entschuldigen, dass manchmal Fehler gemacht werden, und uns daran erinnern, dass jede Insider-Bewegung wieder anders ist. Es nützt nichts, weil die Verschmelzung der Zeiten gewichtiger ist als ein gelegentliches Zugeben von Fehlern in der Vorgehensweise. Wenn wir es zulassen, dass Abraham, Jesus, Petrus und Paulus zu Meister-Insidern werden, dann verstummt jede Kritik und wird nur noch als Hintergrundgeräusch wahrgenommen. Geschichten, die Zeithorizonte verschmelzen, wirken wie ein plumper Versuch, einen Dienst zu rechtfertigen anstatt eine biblische Grundlage für einen Dienst zu bilden.

Hiermit habe ich Gefahren aufgezeigt, die entstehen, wenn krampfhaft versucht wird, in die Köpfe anderer Menschen einzudringen. Jetzt, wo ich meine Bedenken weitergebe, will ich auch versuchen, Denkweisen und mögliche Motive vorsichtig anzusprechen. Deshalb möchte ich IM-Befürworter einladen, über die Prozesse nachzudenken, die sie zu ihren Interpretationen der Schriften gebracht haben. Ich halte es im Übrigen nicht für nötig, mich für diese Empfehlung zu entschuldigen. Denn ich erlaube mir diese Empfehlung zu machen, nachdem ich mich ausführlich mit Insider-Literatur beschäftigt habe. Welche Eindrücke auch immer sich mir einprägten, entstanden aufgrund dieser Schreiben. Zugleich bin ich mir bewusst, wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Diese Mahnung gilt uns Kritikern. Gott möge unsere Herzen bewahren. Als Kritiker sollten wir immer unsere Beweggründe prüfen. Lassen wir Gottes Wort und den Heiligen Geist an uns wirken, um uns rein zu waschen und mit seiner Wahrheit zu erfüllen. Amen.

 

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