Beurteilung von Methoden und Prinzipien der sog. „Insider“-Bewegung

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Nachfolgend ein Beitrag von Jay Smith zur sog. „Insider“-Bewegung, übersetzt aus dem Englischen. Das Original wurde veröffentlicht im Buch „Chrislam – How Missionaries Are Promoting An Islamized Gospel“, i2 Ministries Publishing © 2011

Im Englischen spricht man von Insider Movement („IM“)

Zum Autor

Jay Smith wurde als Sohn von Missionaren in Indien geboren. Er ist heute selber Missionar mit Brethren in Christ World Mission („BICWM“), aber vielleicht besser bekannt für seine Auseinandersetzungen mit muslimischen Predigern. Seine tiefsinnige kritische Beleuchtung des Islam hat ihm allseits Anerkennung gebracht. Er scheut weder die Akademie noch Begegnungen auf der Strasse. Weit bereist und talentiert ist Jay Smith ein willkommener Gast an Universitäten, Kirchen, am Radio und im Fernsehen.

Einführung

Im Januar 2009 wurde ich vom Verwaltungsrat meiner Missionsgesellschaft (BICWM) angefragt, ob ich an der Konferenz Common Ground („CG“) in Atlanta teilnehmen würde. CG ist eine Gruppe von Leuten, die IM als ein Modell für die Mission von Muslimen empfiehlt und lehrt. Ich sollte beurteilen, ob dieses Modell geeignet wäre für den Einsatz in der Missionsarbeit unter Muslimen im Mittleren Osten.

Zu diesem Zeitpunkt kannte ich bereits dieses Modell in der C5 Kategorie auf der Contextualisierungs-Skala von C1-C6, welches durch John und Anna Travis (Pseudonyme) 2006 veröffentlicht und anschliessend weit verbreitet wurde; denn ich hatte ja selber am Fuller Theological Seminary in 1980er Jahren studiert und Kurse zur Kontextualisierung belegt. Anschliessend experimentierten meine Kollegen und ich mit einer Frühform der Kontextualisierung im muslimischen Teil eines Westafrikanischen Landes während der späten 1980er und den frühen 1990er Jahren. Wir realisierten aber, dass dieses Modell zu einiger Verwirrung führte. Einige unserer afrikanischen muslimischen Freunde fühlten sich von uns hintergangen und beurteilten unser Vorgehen als unehrlich, da es ihre Islamische Identität, ihr Glaubensleben und ihre althergebrachten Traditionen in ihrer Bedeutung herabsetze.

Die letzten zwanzig Jahre verbrachte ich in London in einem lebhaften, kämpferischen Dienst für die Verteidigung des christlichen Glaubens gegenüber dem radikalen Flügel des westlichen Islams. Dieser kämpferische Ansatz ist wahrscheinlich weiter entfernt von den IM-Methoden als sie sich ausmalen können, und würde auf der Skala von Kontextualisierungsskala möglicherweise einem „minus C5“ entsprechen. Ironischerweise, Konvertierte aus dem Islam (im Englischen oft als bezeichnet als BMBs, Believers from a Muslim Background) sagen mir, mein kämpferischer Ansatz in der Evangelisation passe besser in ihren kulturellen Kontext, denn meine direkter öffentlicher Stil ist näher an ihren Vorstellungen, wie ein religiöser Mann zu sein habe: Nämlich einer der die Herausforderung nicht scheut, in aller Öffentlichkeit gegen die Besten anzutreten, und einer, der genauso willig ist, für seine Überzeugungen zu sterben, wie sie es selber auch sind.

Meine nachfolgende Beurteilung muss deshalb gelesen werden im Wissen um meine persönlichen Erfahrungen. Ich entschuldige mich für gar nichts. Dreissig Jahre lang und auf drei Kontinenten habe ich mit Muslimen gearbeitet. Ich habe andere gelehrt im Dienst an Muslimen in über zwanzig Ländern. Meine Erfahrungen sind einerseits natürlich abhängig vom historischen und kulturellen Kontext und verbinden durchaus auch Christen verschiedener Denominationen. Gleichzeitig ist mein bevorzugter Ansatz kämpferisch und für Dritte z.T. kontrovers. Ich hoffe dies wird ihnen helfen zu verstehen, wieso ich den Standpunkt einnehme, den ich im Folgenden vorstellen möchte.

Was die CG-Konferenz in Atlanta betrifft: Ich war nicht eingeladen. Ich habe mich selber eingeladen. Die Organisatoren gaben schliesslich nach unter der Bedingung, dass ich keine Namen nennen würde, weder Namen der Lehrer noch Namen der Länder für die sie standen. Ich kann jedoch sagen, das war eine sehr beeindruckende Gruppe von Leuten: überzeugend im Reden, und grösstenteils in meinem Alter (in ihren Vierzigern und Fünfzigern), weisser Hautfarbe und US-Amerikaner. Schärfste Sicherheitsvorkehrungen erlaubten nur geladenen Gästen den Zutritt zu den Konferenzräumen. Ich dachte, ist so etwas nötig? Schliesslich sind wir doch in Atlanta! Doch sie wollten offensichtlich sicherstellen, dass ungebetene Gäste draussen bleiben. Alle von uns waren Christen. Es war ein perfekt organisierter Anlass mit etwa 300 Teilnehmern. Ich bekam mit, dass diese Konferenzen regelmässig stattfanden, und dass schon bald eine Konferenz in einem muslimischen Land stattfinden sollte.  Es wurde mir klar, diese Bewegung war keine vorübergehende Erscheinung, sondern zunehmend beliebt unter der jüngeren Generation. Anhand der Lobhudelei und Begeisterung, die rund um mich herum geäussert wurde, können wir erwarten, dass diese Bewegung unter den Evangelikalen bald etabliert sein dürfte.

Was meine Beurteilung betrifft, wollte ich sicherstellen, präzise Aussagen machen zu können, um nicht einfach einen Eindruck dessen zu vermitteln, was die IM Missionare und Missiologen so in etwa denken. Viele haben mir ich in der Vergangenheit falsch verstanden oder zitiert, als sie meinen Ansatz über die letzten zwanzig Jahre kritisierten. Deshalb wusste ich, wie einfach es ist, falsch dargestellt zu werden. Im Anschluss an die Konferenz hielt ich sechszehn oder siebzehn ihrer Aussagen schriftlich fest, die ich für deren grundlegende Überzeugungen und hauptsächliche Paradigmen hielt und schickte diese an die Konferenzleitung. Die Konferenzleitung wiederum bat vier oder fünf ihrer führenden Mitglieder, darauf zu antworten im Namen der CG Konferenz. Gleichzeitig sandte mir John Travis seine Replik per Email. Nachfolgend erscheinen sowohl Antworten von der Konferenzleitung als auch von John Travis, jeweils gefolgt von meiner Beurteilung. Nach Erhalt der Antworten fand ich heraus, dass weniger als die Hälfte die Aussagen, die ich für deren grundlegende Überzeugungen hielt auch wirklich als Prinzipien für die Bewegung als Ganzes gelten konnten. Es gibt offensichtlich eine Vielzahl von Meinungen und Praktiken innerhalb der Bewegung. Es gibt hier ein echtes Dilemma: Wie soll ich Methode beurteilen, wenn sich deren Vertreter nicht einmal darüber einig sind? Vieles was ich gehört habe an der Konferenz in Atlanta betrachtete die Konferenzleitung oder John Travis anschliessend als nebensächlich oder gar irrelevant in Bezug auf ihre Prinzipien. Wichen sie zurück und scheuten sie sich, für ihre Standpunkte einzutreten, im Wissen, dass ich sie in aller Öffentlichkeit beurteilen würde? Hatte ich einiges falsch verstanden? Wie ein führender christlicher Intellektueller sagte:

Die Vertreter des IM sind selbst nicht greifbar genug, als dass ihre Prinzipien festgehalten werden könnten. Sogar dann, wenn man sie wörtlich zitiert, beschweren sie sich, das hätten sie nun wirklich nicht so gemeint! Die Bewegung ist so biegsam und derart unklar, dass sich Fragen der Glaubwürdigkeit aufdrängen.

Mit diesen Bemerkungen im Hinterkopf wenden wir uns nun den Prinzipien des IM zu. Den Antworten der Konferenzleitung (und von John Travis) folgen jeweils meine Beurteilung.

Begriffsklärung und Beurteilung

Zum Begriff „Insider“

Wörtlich: ein anerkanntes Mitglied einer Gemeinschaft, oft auch in Verbindung mit der Vollmacht gewisse privilegierte Information einzusehen oder in einer Machtposition oder in einer Stellung, die dem „Insider“ erlaubt, Entscheide einer Gemeinschaft oder einer Organisation zu lenken oder zu beeinflussen.

Vorstellung: Bekehrte aus dem Islam sollen weder ihre Familien noch die muslimische Gemeinschaft verlassen, sondern sich weiterhin deren Regeln unterwerfen und versuchen als verdeckte Christen, weiterer Mitglieder der Gemeinschaft zu Christus zu führen.

Definition CG: „Jemand der Jesu angenommen hat, aber als Licht in seinem oikos (Haushalt) verbleibt, damit möglichst viele gerettet werden können.“

In Anlehnung an Matthäus 5.15:

Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet es allen, die im Hause sind. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, preisen.

Beurteilung JS: Ich wollte ursprünglich die Konferenzleitung dazu bringen, zu definieren, was sie unter „Insider“ verstehen, aber sie lehnte ab, wahrscheinlich, weil es so viele verschiedene Definitionen und Praktiken innerhalb der Bewegung gibt. Eine neuere Definition spricht von, „einer volksnahen Bewegung hin zu Christus, die formelle und ausdrückliche christliche Formen vermeidet.“ Um dies etwas klarer auszudrücken, ein „Insider“ ist jemand, der Jesus als seinen Herrn und Retter ansieht, aber dennoch in seiner angestammten Kultur (z.Bp. dem Islam) verbleibt, in seiner biologischen Familie (oikos), und auch weiterhin als Muslim gilt. Dies bedeutet, dass diese Person die Shahada aufsagt und glaubt (Shahada: „Gott ist einer und Mohammed sein Prophet“), weiterhin in die Moschee geht, fünf Mal am Tag betet, die Fastenzeit des Ramadans begeht, und nach Möglichkeit die Pilgerreise nach Mekka macht (Hajj). Es gibt unterschiedliche Definitionen je nach dem unter welcher Gruppe von Muslime gearbeitet wird.

Was den Oikos betrifft: die biologische Familie eines Moslems. Es ist sicher nichts Falsches an dem Wunsch, in seinem Oikos bleiben zu wollen, aber nicht wenn es den Ausschluss der grösseren Familie in Christus mit sich bringt. Ich möchte auch die Anwendung des Begriff Oikos auf die biologische Familie hinterfragen. Jesus definiert die Familie neu in Matthäus 12

Matthäus 12.46-50

Als er noch zur Volksmenge redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draussen und verlangten, mit ihm zu reden. Er aber antwortete und sprach zu dem, der es ihm sagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er streckte seine Hand über seine Jünger aus und sprach: Siehe, das sind meine Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen meines Vaters in den Himmeln tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.

Haben Konvertierte aus dem Islam (BMBs) eine stärkere Treuepflicht gegenüber ihrer biologischen muslimischen Verwandtschaft als gegenüber der lokalen christlichen Gemeinschaft? Die lokalen Christen sind ihnen Brüder und Schwestern in Christus. Ironischerweise ist es ja gerade Mitglieder ihrer biologischen Familie, die frisch Bekehrte verfolgen. Diese jungen Gläubigen brauchen deshalb ihre Brüder und Schwestern in Christus.

„Möglichst viele“ oder „so viele wie möglich“ scheint ein allgemeines Motto in IM-Kreisen zu sein. In Gesprächen mit IM-Verfechtern wurde mir klar, und die Einführung von Zahlen und Diskussionen um Statistiken legt es nahe, dass eine der Hauptbeweggründe für das Übernehmen der IM-Methoden in Missionarskreisen ist der messbare Erfolg. Mir wurde gesagt, dass dank dieser IM-Methoden „zwischen hundert Tausenden und Millionen“ zu Christus gefunden hätten. Dies ist verführerisch und gefährlich, weil es dazu führt, Praktiken blind zu übernehmen, ohne sie genauer zu untersuchen. Es geht vergessen, dass langfristige Folgen nicht nur der weltweiten christlichen Gemeinschaft drohen, sondern auch den lokalen christlichen Gemeinden, an deren Leben junge Gläubige teilhaben oder teilhaben könnten.

Zum Begriff „Extraction“

Wörtlich: Herausziehen, jemanden zum Austritt zwingen, Prozess der Ablösung.

Vorstellung: In diesem Kontext ist ein Hinausgehen gemeint, resp. ein Verlassen der angestammten Kultur oder der leiblichen Familie. Eine Trennung von der leiblichen Verwandtschaft soll nach Ansicht der IM-Verfechter verhindert werden.

Definition CG: Frisch Bekehrte sollen nicht aus ihrem Umfeld („Oikos“) d.h. aus ihrer angestammten Kultur oder aus ihren biologischen Familien, herausgezogen werden. Im Sinne von Mt 5.15 solle man in seinem Oikos als Licht scheinen. Das Prinzip lautet: „im Oikos verbleiben“. Der Heilige Geist werde diesen frisch Bekehrten gewisse Dinge zeigen, die in Ordnung seien. Der springende Punkt ist der, dass jeder Gläubige durch seine Prägung eine einzigartige Gabe erhalten hat, um die seinesgleichen, Menschen aus demselben Umfeld (Oikos) zu erreichen. Somit besteht das Verlangen, diese natürlichen Gaben fürs Evangelium einzusetzen. Das Ziel ist für die Menschen Salz und Licht in ihrem Oikos zu sein.

Beurteilung JS: vorweg eine Klarstellung: An der CG Konferenz in Atlanta und in einem Grossteil der Literatur, legen IM-Verfechter nahe, dass frisch Bekehrte sich weiterhin als Muslime bezeichnen sollen, weiterhin das rituelle Gebet im Islam (Salat, Salawat im Koran, türkisch Namaz) beten und regelmässig in die Moschee gehen und die Fastenzeit Ramadan einhalten sollen. Mit anderen Worten, andere sehen diese frisch Bekehrten weiterhin als Muslime an.

Das mag für viele von uns nicht alarmierend erscheinen. In vielen Missionsarbeiten, die sich auf der Kontextualisierungsskala auf C3 – C4 Bewegung (womit ich einverstanden bin), ermutigen wir frisch Bekehrte anfänglich auch in ihren Familien als heimliche Gläubige zu leben. Dies tun wir in der Hoffnung, dass sie sich zu gegebener Zeit öffentlich zu Christus bekennen werden, und ihnen in der Zwischenzeit Verfolgung erspart bleibt. Das problematische an diesem IM-Prinzip ist aber dass die meisten IM-Verfechter glauben, es handle sich beim Verbleiben im Oikos nicht um eine vorübergehende Vorsichtsmassnahme, sondern um die permanente Stellung für Bekehrte aus dem Islam.

Da IM-Verfechter dieses Prinzip aus Matthäus 5.15 ableiten, wenden wir uns nochmals diesem Vers zu: „Man zündet auch nicht ein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet es allen, die im Hause sind.“ Wenn Christus vom Licht des Evangeliums spricht, dann zeigt sich dies in den eigenen guten Werken; wie in Vers 16 gesagt wird: „…damit sie euren guten Werke sehen“. Ist es etwa nicht so, dass Licht Finsternis verdrängt? Wird nicht die Finsternis des Islam in der Familie des Gläubigen aufgedeckt, was zu Ablehnung führt, und dann zum Verlassen der biologischen Familie oder Verfolgung der jungen Gläubigen durch die eigene Familie? Wenn dem so ist, frage ich mich, wie das Bild von Licht und Salz nahelegen sollte, einen muslimischen Lebensstil hinzunehmen? Denn dies bedeutet Zustimmung zu rituellem Gebet, Moscheenbesuch, und Einhalten des Fastens während dem Ramadan. Jede dieser sog. Islamischen Säulen ist eine Verwerfung des christlichen Weges, wie ihn Jesus uns vorgestellt hat. Vielleicht denken IM-Verfechter, die Islamischen Säulen und Einrichtungen seien nichts Anderes als gutartige Praktiken, deren jeglicher spirituelle Überbau fehlt und die einfach akzeptiert, angenommen, und an einen biblischen Rahmen angepasst werden können?

Kehren wir zurück zum Problem des eigenen Oikos. Hier möchte ich, die von IM-Verfechtern benutzte Stelle in Matthäus 5 mit Matthäus 10 verbinden.

Matthäus 10.34-38

Meinet nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, einen Menschen mit seinem Vater zu entzweien und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und des Menschen Feinde werden die eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert; und wert nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.

Hier wird gesagt, dass ein Nachfolger Christi damit rechnen muss, als Sohn mit seinem Vater entzweit sei oder als Tochter mit ihrer Mutter und dass sich womöglich den eigenen Hausgenossen gegenübersieht. Dies setzt ein „Herausziehen“, ein Verlassen der angestammten Kultur oder leiblichen Familie, klar voraus. Sobald sich jemand bekehrt, erwarten einem Schläge, Haft, Hass, Verfolgung, bis hin zum Tod. Dies wird uns in Matthäus 10 angekündigt.

Matthäus 10.17-23

Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch an die Gerichte überliefern, und in ihren Synagogen werden sie euch geisseln. Und auch vor Statthalter und Könige werdet ihr um meinetwillen geführt werden, ihnen und den Heiden zum Zeugnis. Wenn sie euch aber überliefern, so sorget euch nicht darum, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures Vaters ist’s, der in euch redet. Es wird aber ein Bruder den andern zum Tode überleifern und ein Vater das Kind, und Kinder werden wider die Eltern auftreten und sie zum Tode bringen; und ihre werdet um meines Namens willen von jedermann gehasst sein. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. Wenn sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, so fliehet in die andre! Denn wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis der Sohn des Menschen kommt.

Im muslimischen Kontext beginnen die Probleme von jungen Gläubigen in ihrem Oikos. Es gibt viele Bibelstellen, die ein Hinausgehen oder Verlassen empfehlen um Christi Willen; so z.Bp. Markus 8.34-38

Die frühe Kirche ging denn auch davon aus. Wie können IM-Verfechter die Apostelgeschichte lesen, die ersten dreihundert Jahre der Kirchengeschichte und auch die letzten siebzehnhundert Jahre und „Extraction“, resp. das Verhindern einer Trennung zu einem Prinzip in der Mission erklären? Trennung (Entzweiung oder Hinausgehen) war nicht nur erwartet von Christus in Matthäus 10, sondern junge Gläubige wurde von der frühen Kirche dazu ermutigt. Es war der Grund dafür, dass so viele Christen sich verstecken mussten. Trennung führte zur Verfolgung von „Salz und Licht“-artigen Christen in ihrem Oikos. Aber es führte ebenfalls zu grossartigen Geschichten, wo Mut und Entschiedenheit der Gläubigen zum Ausdruck kam, insbesondere bei denen, die ihre Leben unserem Herrn Jesus Christus opferten. Die Kirche als Gemeinschaft aller Christen ist dann am stärksten, wenn sie lernt völlig vom Herrn abhängig zu sein, für ihren Schutz und für alle anderen Dinge. Die Weigerung, sich den Forderungen des Oikos zu unterwerfen, stärkte die Gläubigen und die Kirche.

Ein Konvertierter aus dem Islam, der wie ich in London wohnhaft ist, las die Zeilen oben und fragte dann: Was sagen [die IM-Verfechter] zu den Hunderten von Gläubigen wie mir, die sich Matthäus 5.15 zu Herzen genommen haben, und sich weigerten, ihren Glauben an Christus zu verstecken oder unter den Scheffel zu stellen, und ihren Familien tatsächlich Licht und Salz waren? Wir weigerten uns, Kompromisse einzugehen wie z.Bp. vorzugeben etwas zu sein, was man nicht ist, und in der Folge für unseren Gehorsam Verfolgung oder Folter erlitten und einige von uns bis in den Tod standhaft blieben. Aber gleichzeitig wurde unser Glaube stärker, und weil wir den Mut hatten aus unserem Umfeld hinauszutreten, was Verfolgung mit sich zog, sind wir jetzt gesegnet, indem wir Teil einer weltweiten Familie geworden sind.

Dies führt uns also zur Frage nach der weltweiten Kirche. Wie wollen IM-Gläubige, die in ihren muslimischen Familien verbleiben, denn teilhaben an der weltweiten Gemeinschaft der Gläubigen? Sie werden wenig bis gar keinen Kontakt haben, ja nicht mal mit ihrer eigenen einheimisch christlichen Gemeinschaft! Schliesslich noch, sie werden ihnen entfremdet und nicht verstehen können, was diese tun. Ich bin Einladung zu Predigen auf der ganzen Welt gefolgt. In jedem Land, das ich besuche, bin ich überwältigt durch die Liebe und die Achtsamkeit, die mir ohne jeden Vorbehalt von meinen christlichen Brüdern und Schwestern geschenkt wird; eine Liebe, die nicht da sein wird für diese „Insider“ aufgrund ihrer selbst gewählten Abschottung gegenüber der christlichen Gemeinschaft.

Weiter scheint es, die hauptsächliche Sorge der IM-Verfechter gilt der Möglichkeit für frisch Bekehrte als Agenten zu fungieren und weitere Menschen in den Oikos Christi zu bringen. Aber wie können sie nur, wenn sie keinen Kontakt mit der christlichen Gemeinschaft pflegen, in ihren muslimischen Familien verbleiben und in ihren alten islamischen Praktiken verharren? Ist das nicht alles ein wenig naiv? Schlimmer noch: sind diese frisch Bekehrten nicht anfällig auf die Verführungen des Islam, gefährdet durch die geistlichen Mächte, die im Islam wirksam sind, und speziell auch durch emotionale, soziale Bindungen und die physische Kontrolle, welche die muslimischen Familien über sie halten. Ohne Jüngerschaft und Anleitung durch reifere Christen – was bei einem übermässigen Einfluss der muslimischen Familie nicht möglich ist – fallen junge Gläubige häufig ab vom Glauben und kehren zurück zu ihrem früheren Weg mit seinen Treuepflichten.

Ich bin soeben zurückgekehrt von einem westlichen Land wo eine Reihe westlicher christlicher Paare sich dazu entschieden hatte, der lokalen muslimischen Gemeinschaft beizutreten, und zwar „als verdeckte Christen“. Sie sind aufgestiegen innerhalb dieser muslimischen Gemeinschaft und bekleiden führende Positionen, haben jedoch, nach Aussage eines christlichen Bekannten, jeden Glauben an die Gottheit Christi verloren. Das müssen wir uns fragen: Wenn langjährige gestandene Christen so einfach und so schnell verführt werden durch geistlichen Mächte des Islam, wieso denken wir, dass junge Gläubige nicht dasselbe Schicksal erfahren werden?

Zum Begriff „Seven Signs“

Wörtlich: Die Sieben Zeichen. Zeichen im Sinne von Hinweis auf zukünftige Ereignisse oder als Bestätigung einer Wahrheit, in Form von Handlungen, Erscheinungen oder Wunder.

Vorstellung: Gott hat den Menschen verschiedene Zeichen gegeben, damit die Menschen Dinge verstehen lernen wie z.Bp. Gottes ewige Fürsorge und Undankbarkeit der Menschen oder ihre fehlende Beugung unter den Willen Gottes.

Kommentar CG: Das ist ein sehr effektives Instrument, von denen es noch weitere gibt (wie z.Bp. Darstellung der Schande versus Ehre). Die Methode der Sieben Zeichen wurde im Einsatz getestet und hat sich als nützlich erwiesen. Es erlaubt uns, in die vom Koran dominierte Welt der Muslime einzutauchen. Die Sieben Zeichen sind im Ansatz im Koran vorhanden. Die Methode der Sieben Zeichen wird hauptsächlich von CG-Vertretern verwendet.

Beurteilung JS: Seven Signs funktioniert ähnlich wie die Chronologische Methode, die wir in Westafrika mit Erfolg eingesetzt hatten. Man beginnt mit Geschichten der Propheten im Alten Testament und führt hin auf das kommende Opfer, den Messias Jesus. Meine Bedenken begründen sich damit, dass im Unterschied zur Chronologischen Methode, wo von der Bibel ausgegangen wird, die Sieben Zeichen mit dem Koran beginnen und Passagen im Koran häufig falsch interpretieren. Dies führt zum unbeabsichtigten Ergebnis, dass dem Koran eine gewisse Autorität verliehen wird. Es sei denn, der Koran werde nur als Brücke verwendet, um Muslime zur Bibel zu führen. Ich möchte lediglich fordern, dass wir auch dann, wenn wir eifrig bemüht sind, Brücken zum Koran zu bilden, versuchen, den Koran korrekt auszulegen und dem Koran nicht eine Autorität verleihen, die ihm nicht zusteht. Das macht es dann umso schwieriger den Koran zu kritisieren, wenn nötig.

Zum Begriff „Holy Books“

Wörtlich: Heilige Bücher, die Heilige Schrift, die heiligen Bücher des Alten und Neuen Testaments; aber auch die Bücher anderer Religionen z.Bp. Veden werden als die heiligen Schriften des Hinduismus bezeichnet etc. Im Islam gelten vier Bücher als heilig: der Koran, Tawrat (Thora, Gesetz, Altes Testament), Zabur (von Allah an Dawud alias David offenbart), und Injil (Evangelium, Neues Testament)

Vorstellung: Die Schriften des Islam sind göttlich inspiriert und gleich wie die Bibel ebenfalls Offenbarungen Gottes.

Kommentar CG: Wir sagen, dass die Tawrat (Thora), Zabur, und Injil (Evangelium) auf das Königreich Gottes hinweisen. Der Koran lehrt a) Monotheismus und b) warnt vor Götzendienst, c) weist auf Jesus hin und d) verweist auf die früheren Bücher. Deshalb kann es als Einstieg, als Licht, das auf Jesus und die Bibel leuchtet, dienen.

Beurteilung JS: Hier haben wir einen Fall, wo die Regeln mitten im Spiel geändert wurden. An der CG Konferenz in Atlanta wurde aufgrund der Bücherauswahl oben nahegelegt, wenn auch nicht direkt gelehrt, dass der Koran zu den vier verlässlichen Gott-gehauchten Bücher gehört. Da gab es einen Redner, dessen Lob auf den Koran an Unglauben grenzte. Als eine, die den Koran während dreissig Jahren studiert hatte, betrachtete sie den Koran als „beinahe göttlich inspiriert“, und fand über 400 Parallelen mit der Bibel. Sie sagte al-Batin, „der Verdeckte“ (einer der Namen Allahs) sei das koranische Äquivalent zum Fleisch gewordenen Wort Gottes. Vielleicht unbewusst zollte sie frühen apokryphischen Texten Anerkennung, indem sie davon ausging, dass Jesus in der Krippe liegend sprach, denn al-Batin hätte dies sicher gekonnt. Diese Anekdote findet sich nicht nur in meinen Notizen, sondern auch in jenen von zwei anderen Missiologen, die an der Konferenz teilnahmen und über 25 Jahre Erfahrung in der islamischen Welt mit sich brachten.

Gemäss einer Studie von C5-Gläubigen, die 1998 gemacht wurde, gaben 45% der Befragten an, sie fühlten sich Gott nahe, wenn der Koran gelesen wurde, 96% sagten de Koran sei von Gott offenbart worden – zusammen mit Tawrah, Zabur und Injil. Während 66% sagten, sie hielten den Koran für das bedeutendste der vier heiligen Schriften. Die CG-Konferenzleitung behauptet, der Koran könne als Einstieg oder Licht dienen – eine Tatsache, die ich nicht bestreite. Bevor sie aber heraustreten und klar sagen, wie sie über den Koran denken, ist es schwierig für mich, eine faire Beurteilung abzugeben.

Sollen wir den Koran verwenden im Gespräch mit unseren muslimischen Freunden? Sicher, aber nur um gewisse Punkte klarzustellen. Es stimmt, dass der Koran an verschiedenen Stellen auf die „früheren Bücher“ hinweist (Q10.94, 21.7, 29.49, 4.136, 5.45-6, 5.68) und Jesus mehr Autorität verleiht als Mohammed (Q19.19-20, 3.46-49), wir können aber niemals davon ausgehen, der Koran sei für uns verbindlich oder massgebend oder wir könnten darin das Evangelium finden. Es scheint aber das viele IM-Verfechter der Vorstellung erliegen, der Koran sei neben der Bibel einzureihen als eines der von Gott offenbarten Bücher. Wir machen unseren muslimischen Freunden keinen Gefallen, wenn wir dem Koran eine Legitimation verleihen, die er nicht besitzt. Während meiner Doktorarbeit wurde mir klar, der Koran ist ein Betrug. Von Menschen geschrieben und zusammengetragen, mit Inhalten, die verschiedenen apokryphischen jüdischen und sektiererisch christlichen Dokumenten entliehen sind.

Die Geschichte von Kain und Abel (Q5.31-32), und die Geschichte des Raben (31) sind aus dem Targum von Janathan ben Uzziah; das Blut (32) stammt aus der Mishna Sanhedrin 4.5. Abraham und die kaputtgeschlagenen Götzen und der feurige Ofen (Q21.51-71) finden sich in der Midrash Rabah. Salomon und Sheba (Q27.17-44) und der Wiedehopf findet sich in II Targum Esther. Die Geschichte von Maria, Imran und Zacharias (Q3.35-37) ist entliehen aus dem Protoevangelium Jakobus’ des Kleineren. Jesus under der Palmenbaum (Q19.22-26) kommt aus den sog. Verlorenen Bücher der Bibel. Jesus, der als Kleinkind redet (Q19.29-33) ist aus dem sog. Ersten Evangelium der Kindheit Jesu Christi. Jesus, der Vögel aus Ton schafft (Q3.49) ist entliehen aus dem Thomas Evangelium der Kindheit Jesu Christi.

Muslim-compliant Arabic Bible

Wörtlich: Muslim-gerechte Bibel, oder Muslim-gerechte Übersetzungen, denn oft wird auch von Muslim-compliant Translations (MCT) gesprochen

Vorstellung: Eine klassische Bibel, wie wir sie kennen, wird den Empfindlichkeiten der islamischen Welt nicht gerecht. Nach Ansicht der IM-Verfechter sind Anpassungen in der Übersetzung nötig, damit ein Muslim die Bibel überhaupt verstehen kann.

CG-Kommentar:  Mazhar Mallohi’s Muslim-gerechte Übersetzungen ins Arabische versuchen, die Botschaft in einer Weise hinüberzubringen, die Muslime anspricht. Mallouhi verwendet deshalb an Stellen, wo auf Gott den Vater Bezug genommen wird, Begriffe wie Allah, Rabb, Waliy, al-Aziz, Amri, Ruh Allah. Wir anerkennen die Schwierigkeit, im muslimischen Kontext über die Vaterschaft Gottes zu sprechen. Das Ziel muss sein, Begriffe zu verwenden, die für das Zielpublikum bedeutsam sind, auch wenn es sich dabei um eine Muslim-gerechte Sprache handelt.

Beurteilung JS: Es ist durchaus zulässig, eine Kontextualisierung für das Zielpublikum vorzunehmen. Dies ist ein allgemein akzeptierter Grundsatz in der Übersetzungsarbeit. Probleme sehe ich allerdings dort, wo ein Bibeltext verändert wird, um auf Empfindlichkeiten der Leser Rücksicht zu nehmen. Die ursprüngliche Absicht des Authors wird somit verschleiert. Diese Vorgehensweise ist dann keine Wortauslegung (Exegese) mehr, sondern (Eisegese) ein Hineinlegen ins Wort Gottes. Bei dieser Art von Textauslegung wird etwas in den Text hineininterpretiert, das nicht darinsteht oder gemeint war. Mallouhi verwendet an Stellen, wo „Sohn“ geschrieben steht („huios“ im Grundtext, in klassischen arabischen Übersetzungen meist mit „ibn“ übersetzt) das Wort „habib“ (Geliebter) oder „sayyid al bashir“ (Herr der Menschen). Jesus als Sohn Gottes wird zu „Messias“ oder allenfalls „Sohn der von Gott kommt“. Dies zeigt Jesus als Menschen oder als Propheten, und nicht mehr in seiner Gottheit.

Wie wenn das noch nicht schlimm genug wäre, wie möchten wir dann noch versuchen, die ersten zwei Personen der Gottheit erklären, nachdem solche Änderungen am Bibeltext vorgenommen wurden? Wie möchten wir die Beziehungs- oder Gemeinschaftsaspekte in der Gottheit benützen und als Vorbild hinstellen für unsere Beziehungen in der Familie, der Gemeinschaft, am Leib Christi und in der Kirche, nachdem dieses Vorbild für unsere Beziehungen aus dem Bibeltext entfernt wurde?

Muslime haben gegen uns, dass wir (Juden und Christen) den Bibeltext angeblich verändert hätten und deshalb stimme der Koran nicht mit der Bibel überein. Jetzt aber, wo wir uns die Freiheit nehmen, den Bibeltext nach Belieben anzupassen, wie sollten wir diesem Vorwurf begegnen?

Die Frage ist letztlich, wie weit wir gehen können in unserem Bestreben, anderen gerecht zu werden. Vielleicht enthalten unsere nächsten Bibelversionen keine Abschnitte mehr, die Homosexualität verurteilen? Werden dann etwa Verse aus Römer 1 gestrichen? Brauchen wir Schwulen-gerechte Bibeln, oder vielleicht Atheisten- oder Mormonen gerechte Übersetzungen?

Wie ein langjähriger Missionar in einem muslimischen Land kürzlich sagte, Muslim-gerechte Übersetzungen haben mir grössere Kopfschmerzen verursacht… vor allem da, wo Begriffe wie Sohn Gottes mit Stellvertreter Gottes ersetzt wurden.“ Ein anderer Freund, der in einem anderen muslimischen Land als Missionar arbeitet, sagte mir, dass die Arbeiten anfänglich gut angelaufen sind, aber jetzt Vertreter von Muslim-gerechten Übersetzungen (meist Missionare aus dem Westen) sich öffentlich gegen jene stellen, die klassische Übersetzungen verwenden. Diese westlichen Missionare haben sich entschieden, mit ihren Muslim-gerechten Übersetzungen weiter zu machen, trotz Widerständen aus der lokalen christlichen Gemeinschaft, ohne zu realisieren, dass letztlich die einheimische Kirche für die Fehlentscheide der Missionare bezahlen muss.

Wortauslegung

Die Art, in der IM-Verfechter das Wort Gottes auslegen und anwenden, kann allgemein kritisiert werden. Denn sie verwenden die Schriften, um ihre vorgefassten Standpunkte und Prinzipien zu rechtfertigen. Nachfolgend ein paar Beispiele von Bibelstellen, wo Muslim-gerechte Übersetzer den Bibeltext verändert haben.

Ismael „mit“ seinen Brüdern – Auslegung von 1. Mose 16

[Der Engel des Herrn zu Hagar] Siehe, du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären, den sollst du Ismael [d.i. Gott hört] nennen, weil der Herr gehört hat, wie du littest. Er wird ein Mensch sein wie ein Wildesel – seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn; und allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht. (1. Mose 16.11-12)

Die im Englischen verbreitete NIV (New International Version) übersetzt den letzten Satz mit „und er wird in Feindschaft gegenüber all seinen Brüdern leben.“

Muslim-gerechte Übersetzungen: IM-Verfechter ändern „wider jedermann“ und „gegen seine Brüder“ ab in „mit jedermann“ und „mit seinen Brüdern“, um damit zu signalisieren, dass Ismaels Linie keinesfalls ausgeschlossen, sondern von Gott akzeptiert ist.

CG-Begründung: „Wider“ ist lediglich eine von 21 Bedeutungen der Präposition „b-” im Grundtext. The häufigste Verwendung lautet „in“.

Beurteilung JS: Es ist äussert unwahrscheinlich, dass der Engel Gottes der Hagar mitteilen wollte, dass Ismael „mit“ statt „wider jedermann“, resp. „gegen seine Brüder“ sein wird. Ich muss zugeben ich bin kein Hebräisch-Experte aber ich frage mich, wieso keine andere gängige Übersetzung mit der Darstellung der Muslim-gerechten Übersetzer übereinstimmt? Wir brauchen hier wahrscheinlich die Unterstützung von Hebräisch-Experten. Das richtige Verständnis davon, was ein Bruder ist, wird uns möglicherweise in 4. Mose 17.15 gezeigt: Du sollst aus deinen Brüdern einen zum König über dich setzten; du darfst nicht einen Ausländer, der nicht dein Bruder ist, über dich setzen.“ In dem Zusammenhang ist ganz klar, ein Bruder ist ein Israelit und Nachkommen Ismaels sind ausgeschlossen.

Ismael und die Linie der Verheissung – Auslegung von 1. Mose 17

Und Abraham sprach zu Gott: Ach, möchte nur Ismael vor dir am Leben bleiben! Da sprach Gott: Vielmehr, dein Weib Sara soll dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak nennen, und ich will meinen Bund mit ihm aufrichten als einen ewigen Bund, dass ich sein Gott und seiner Nachkommen Gott sei. Aber auch wegen Ismaels erhöre ich dich: Siehe, ich segne ihn und mache ihn fruchtbar und überaus zahlreich; zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich will ihn zu einem grossen Volke machen. Meinen Bund aber will ich aufrichten mit Isaak, den dir Sara gebären wird um diese Zeit im nächsten Jahr. (1. Mose 17.18-21)

CG-Wortauslegung: Gottes Segen für Ismael wird aufgeführt als Beweis, dass Ismael und seine Nachkommen zur verheissenen Linie Isaak’s dazugehören. Als Begründung nennen sie:

Isaak erhielt den Segen aus dem Bund

Ismael erhielt das Versprechen für einen Segen

Isaak und seine Nachkommen sind dazu bestimmt Gottes Werk zu vollbringen

Ismael und seine Nachkommen sind dazu bestimmt, auf eine einzigartige Weise Empfänger und Nutzniesser von Gottes Handeln zu sein

Beurteilung JS: IM-Verfechter behaupten, Ismael sei genauso gesegnet wie Isaak, und dass es keinen Vers in der Bibel gebe, der Ismael von Isaak’s Segnungen fernhalten könne. Da würde ich vorschlagen, wir blättern ein paar Kapitel weiter und sehen uns 1. Mose 22 an.

1 Mose 22.2 [Gott spricht zu Abraham] Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebhast, den Isaak, und gehe hin in das Land Moria und opfere ihn daselbst als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.

1 Mose 22.12 …nun weiss ich, dass du Gott fürchtest; du hast deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten.

1 Mose 22.16 weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum will ich dich segnen und dein Geschlecht so zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie den Sand am Gestade des Meeres…

Dreimal verweist Gott auf Abraham’s einzigen Sohn, Isaak. Gott weiss ganz genau, dass Abraham zwei Söhne hat. Aber es wird klar, dass Gott den Isaak als den einzigen Sohn betrachtet in Bezug auf die Verheissung, die er dem Abraham gegeben hat. IM-Verfechter sollten sich auch die Gegenüberstellung der beiden Bündnisse in Galater 4 vor Augen führen.

Galater 4.22-31 Es steht doch geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Sklavin und einen von der Freien. Aber der von der Sklavin ist nach dem Fleisch erzeugt worden, der von der Freien dagegen kraft der Verheissung. Und das ist bildlich gesprochen. Diese Frauen nämlich bedeuten zwei Bündnisse: das eine vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, und das ist Hagar. Denn das Wort Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien, es entspricht aber dem jetzigen Jerusalem; denn diese ist mit seinen Kindern in Knechtschaft. Das Jerusalem droben aber ist eine Freie, und das ist unsere Mutter. Denn es steht geschrieben: Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht in Wehen liegst! Denn viele Kinder wird die Vereinsamte haben, mehr als die, welche den Mann hat. Ihr aber, ihr Brüder seid nach der Weise des Isaak Kinder der Verheissung. Allein, wie damals der nach dem Fleisch Gezeugte den nach dem Geist Gezeugten verfolgte, so auch jetzt. Aber was sagt die Schrift? Treibe die Sklavin und ihren Sohn aus, denn der Sohn der Sklavin soll nicht mit dem Sohn der Freien erben. Daher, ihr Brüder, sind wir nicht Kinder der Sklavin, sondern der Freien.

Hier sagt der Apostel Paulus, dass wir Anteil haben am Bündnis mit der Freien, Sara, und dass wir nichts zu tun haben mit dem Sklavensohn Ismael.

„Darin Bleiben“ – Auslegung von 1. Korinther 7

Nur, wie der Herr einem jeden zugeteilt, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle er. Und so verordne ich in allen Gemeinden. Ist jemand als Beschnittener berufen worden, so mache er sich keine Vorhaut. Ist jemand in Vorhaut berufen worden, so lasse er sich nicht beschneiden. Die Beschneidung ist nichts und die Vorhaut ist nichts, sondern das Halten der Gebote Gottes ist alles. Jeder bleibe in dem Stand, in dem er berufen worden ist. Bist du als Sklave berufen worden, so mache dir keine Sorge, sondern wenn du auch frei werden kannst, so bleibe um so lieber in deinem Stand. Denn wer im Herrn als Sklave berufen worden ist, der ist ein Freigelassener des Herrn; desgleichen, wer als Freier berufen worden ist, der ist ein Sklave Christi. Ihr seid teuer erkauft worden; werdet nicht Sklaven von Menschen. Worin jeder berufen worden ist, ihr Brüder, darin bleibe er vor Gott. (1. Korinther 7.17-24)

CG-Auslegung: „in seinem Stand bleiben“ bedeutet Muslime bleiben in dem Stand, in dem Gott sie gerufen hat, das ist als Muslime.

CG-Erklärung: In gesellschaftlicher Hinsicht bleiben sie Muslime. Sie werden umgestaltet durch den Heiligen Geist als von Neuem Geborene, aber weiterhin Teil ihrer muslimischen Kultur.

Beurteilung JS: Das Problem mit dem „darin bleiben“ besteht darin, dass Islam nicht nur eine Religion, sondern auch eine Kultur ist. Wer im Islam verhaftet bleibt, der übernimmt auch die religiösen Belange, wie auch die geistigen Mächte des Islam. In diesen Versen lesen wir nichts davon, dass Heiden weiterhin in ihren Götzentempel anbeten sollen, sondern Apostel Paulus nimmt sich spezifisch der Frage des Zivilstandes an und hält seine Zuhörer und Leser dazu an, in ihrem aktuellen Stand zu verbleiben.

„So werden wie“ – Auslegung von 1. Korinther 9

1.Kor.9.19 Denn wiewohl ich allen gegenüber frei bin, habe ich mich allen zum Knecht gemacht, damit ich die Mehrzahl von ihnen gewinne. Und ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich Juden gewinne; denen, die unter dem Gesetze stehen, als ob ich unter dem Gesetze stände – obgleich ich selbst nicht unter dem Gesetze stehe -, damit ich die unter dem Gesetze Stehenden gewinne; denen, die ohne Gesetz sind, als ob ich ohne Gesetz wäre – obgleich ich nicht ohne Gesetz Gottes, sondern dem Gesetz Christi unterworfen bin-, damit ich die, welche ohne Gesetzt sind, gewinne; ich bin den Schwachen ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne; allen bin ich alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, damit ich seiner mit teilhaftig werde. (1. Korinther 9.19-23)

CG-Auslegung: „so werden wie“ [in Anlehnung „ich bin den Juden wie ein Jude geworden“] bedeutet, dass Missionare sich wie Muslime verhalten sollen.

CG-Begründung: „so werden wie“ in kultureller Hinsicht so weit wie möglich, aber wir Westler werden niemals „Insider“ in einer muslimischen Gemeinschaft. Wir lehren nicht, dass Menschen, die christlich aufgewachsen sind, Muslime werden sollen. Wir raten unseren Missionaren dringend davon ab, Muslime zu werden oder vorzugeben, Muslime zu sein.

Beurteilung JS: Ich denke, dass IM-Verfechter 1. Korinther 9 richtig verstanden haben. Sie halten selber fest, dass sie nicht Muslime werden oder so tun wollen, als seien sie Muslime. Aber wie sie später andeuten, werden einige ihrer Missionare durchaus Muslime, in dem sie rituelle Handlungen des Islam übernehmen. Ich gehe jetzt davon aus, dass sie sich nicht öffentlich zum Islam bekennen. Gibt’s da nicht ein Problem, wenn ein Moslem oder ein frisch Bekehrter auf sie zukommt und fragt: „Wer bist du?“ Wenn sie sich selber nicht als Muslim bezeichnen, jedoch zum Glauben gekommene Muslime auffordern, im Islam verhaftet zu bleiben und sich als Muslim auszugeben, wird das nicht seltsam erscheinen und zu einiger Verwirrung führen? Oder wird es gar als unehrlich aufgefasst?

„Strategische Wortauslegung“ – eine Frage der Glaubwürdigkeit

An der CG-Konferenz in Atlanta gab es sehr wenige Teilnehmer, die die Wortauslegung dieser Bibelstellen in Frage stellten, wahrscheinlich, weil hierzu keine Möglichkeit geboten wurde oder weil sie die Bibel nicht so gut kannten. Wenn IM-Verfechter Glaubwürdigkeit für ihre Auslegungen beanspruchen möchten, dann kommen sie nicht um eine öffentliche Diskussion herum. Ich würde es gerne sehen, wenn sie ihre Wortauslegung zu diesen Versen in entsprechenden Publikationen niederschreiben würden. Dann sollen Bibellehrer beurteilen, ob sie diese Bibelstellen wirklich richtig auslegen. Mein Eindruck

Mein Eindruck ist, dass hier „strategische Wortauslegung“ betrieben wird: Übersetzer gehen an den Bibeltext ran mit einer im Voraus bestimmten Agenda und suchen nach Versen, die ihre Sicht der Dinge bestätigen. Ein solches Vorgehen bringt nichts, und muss unter Umständen gar als unehrlich taxiert werden. Viele Sekten verfahren nach diesem Muster mit verheerenden Folgen. Ich hoffe sehr, dass dies nicht der Fall ist für die „Insider“-Bewegung.

Zur Bedeutung Mohammeds

CG-Kommentar: Frisch zum Glauben gekommene haben die Freiheit – unter der Führung des Heiligen Geistes, ihre eigenen Schlüsse zu ziehen, was die Rolle von Mohammed in ihrem Leben angeht.

Beurteilung JS: Mit diesem Kommentar wird Raum geschaffen, der es „Insidern“ ermöglicht, Mohammed für einen Propheten zu halten. Ein CG-Handbuch geht noch weiter und erklärt: „Meiner Ansicht nach sehe ich Mohammed als wahren Propheten Gottes, auch wenn er wie andere Propheten, die nach unserem Herrn Jesus Christus auftraten, weder moralisch vollkommen war, noch in seiner Lehre unfehlbar.“

Dies ist ein weiterer Fall, wo an der Konferenz etwas gesagt (und sogar schriftlich in einem Merkblatt so weitergegeben) wurde, aber später dann, wenn es das Gesagt zu verantworten gilt, eine neutralere Formulierung vorgezogen wird. Das öffentliche Bekennen der Priesterschaft Mohammed’s ist in Übereinstimmung mit islamischen Glaubensbekenntnis der Shahada („Gott ist einer und Mohammed sein Prophet“). Dieses Bekenntnis gilt als Test für die Treue gegenüber dem Islam. Es ist ein Zeichen der Identität als Muslim. Viele Christen können vielleicht den ersten Teil wiederholen („Gott ist einer“, im Sinne von „es gibt nur einen wahren Gott“, auch wenn Muslime damit sagen wollen „es gibt keinen Gott ausser Allah“). Der zweite Teil der Shahada ist aber problematisch: „und Mohammed ist sein Prophet.“ Dieses Bekenntnis wird verlangt von jenen, die zum Islam übertreten und wiederholt von allen Muslimen, bevor sie auf ihrer Pilgerreise (Hajj) in die Tore Mekka’s eintreten.

Wenn IM-Verfechter Mohammed als wahren Propheten hinstellen, setzen sich einer Vielzahl von Fragen aus. Wer die Shahada bekräftigt bestätigt, dass Mohammed ein Mann Gottes war. Doch Mohammed stellte sich gegen das Kreuz, ja hasste die Botschaft vom Kreuz, verleugnete die Gottheit Christi, und befürwortete eine Reihe von Handlungen, die aus Sicht der Bibel als unmoralisch taxiert werden müssen. Seine Priesterschaft zu bekräftigen heisst in geistlicher Hinsicht, seinem Beispiel zu folgen und die Gottheit Christi zu leugnen.

Verwirrende Aussagen zu Jesus Christus finden sich quer durch den gesamten Koran, Mohammed’s angeblich göttliche Offenbarung. Der Koran behauptet (Q4.171), Jesus sei nur ein Sprachrohr Gottes und nicht Sohn Gottes, und stellt die verwirrte Vorstellung vor, Jesus und Maria können nicht wie Gott angebetet werden (Q5.116), Christen würden angeblich glauben, Gott hätte eine Frau gehabt (Q6.101), und dass Gott nicht essen könne (Q5.75). Aber wahrscheinlich die grösste Verwirrung besteht darin, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben sei und dass Allah Jesus’ Erscheinung einem anderen gegeben habe (Q4.157). Welcher wahre Prophet bringt es fertig, in einem Satz, die grossen Taten in der Geschichte der Menschheit zu verleugnen, und indem er dies tut, die ganze Menschheit für alle Ewigkeit zu verdammen? Wenn es tatsächlich so ist, dass Mohammed an der Gottheit Jesu zweifelte (was jeder muslimische Schriftgelehrte der letzten 1400 Jahren bejaht), sowohl Kreuzigung als auch Sühnung leugnete, wie können IM-Verfechter nahelegen, er sei ein wahrer Prophet? IM-Verfechter verwenden ihre Koranauslegung, um ihre zweifelhaften Schlussfolgerungen zu stützen.

Zur christlichen Tradition

CG-Kommentar: Die christlichen Traditionen und Dogmen sind per Definition das Ergebnis eines graduellen Wachstumsprozesses. Der westliche Weg der Kirche mit Dogmen und Strukturen, Taufe und dem Wort „Dreieinigkeit“ sind nicht besser oder schlechter als irgendein anderer Weg, den Gott wählt, um Menschen mit sich zu versöhnen in Christus. Aber da wo ausserbiblische Elemente ein Hindernis bilden, welches Suchende davon abhält, sich mit Gott zu versöhnen, da sollten diese ausserbibilischen Elemente als optional angesehen werden. Es geht nicht darum eine christliche Tradition mit einer muslimischen Tradition zu ersetzen. Lassen wir doch die Bibel die Quelle unserer Lehre und unserer Theologie sein, und nicht ausserbiblische Begriffe wie die Dreieinigkeit, die letztlich eine Frage der Denomination sind. Muslime müssen nicht durch die Christenheit zum Heil finden, sondern in Jesus allein.

Beurteilung JS: Es gibt im Westen zunehmend ein Bedürfnis, von der Kirchentradition wegzukommen und zu einem ursprünglichen biblischen Christentum zurückzukehren. Die Strömung der „Emergent Church“ widerspiegelt dies; und ich verstehe, wieso Menschen dies möchten. Die Strömung des „Insider Movement“ geht in dieselbe Richtung und scheint darauf aufzubauen.

Ist es der Drang zu den Grundlagen zurückzukehren eine Absage an 2000 Jahre Erfahrung und an eine Tradition, die sich doch hauptsächlich biblisch begründet ist, aufgebaut auf das Beispiel Christi und getragen durch den Heiligen Geist? Ist es jetzt tatsächlich so, dass wir im Zuge einer einzigen Generation von den Grundlagen und Überzeugungen der Kirche wegkommen, die Bedeutung der Taufe herunterspielen oder „Dreieinigkeit“ zum Unwort erklären? Es ist doch naiv, die christliche Tradition zu verwerfen, die von biblischer Bedeutung geprägt ist, und sie zu ersetzen mit geistlichen Begriffen und Konzepten einer Religion, die in ihrem Herzen anti-christlich ist.

Zur muslimischen Tradition

CG-Kommentar: Die muslimische Tradition (mit Moscheenbesuch, rituellem Gebet, dem Fasten im Ramadan, dem Koran etc.) kann, nach einer Umdeutung der rituellen Handlungen, ein Weg sein, die Gebote Jesu praktisch zu ausleben und Gott mit ganzem Herzen zu lieben und anderen mit einer selbstlosen Liebe zu begegnen. Als das perfekte Beispiel eines „Insiders“, benutzte Jesus seine Kultur und seine Religion, um Teilaspekte von Kultur und Religion umzudeuten, und andere Teile wiederum zu verwerfen. Wir sollten nicht voreilig handeln, wenn wir Teile unserer Tradition aufgeben, aber wir sollten alles prüfen, im jeweiligen Kontext, und deren wahres Wesen erkennen. Die CG-Mitarbeiter waren immer stark engagiert in geistlicher Kampfführung, Angelegenheiten wie Befreiung und Freiheit in Christus. Wenn die Umdeutung der rituellen Handlungen mit Hilfe des Heiligen Geistes geschieht, kann das Gläubigen helfen und sie ermächtigen. Einige „Insider“-Missionare sind wie Muslime geworden was die Kleidung, die Sprache, und den Lebensstil angeht und gehen sogar zur Moschee. Sie verwendet Teile der muslimischen Tradition da, wo es ihnen etwas bedeutet.

Beurteilung JS: Wenn wir diese Gedanken weiterspinnen, sehen wir, dass die IM-Verfechter und CG-Mitarbeiter, in ihrem Bemühen sich von einer über 2000 Jahre hin angesammelten christlichen Tradition loszulösen, entschieden haben, dass es völlig in Ordnung ist, eine über 1400 Jahre angesammelte muslimische Tradition zu übernehmen und anzupassen. Eine Tradition, die wie sie selber zugeben, häufig gar nicht auf dem Koran basiert, und auch nicht in jedem Fall das Beispiel Mohammeds widerspiegelt. Wieso eine Tradition verwerfen, die wie ich sagen würde von einem biblischen Verständnis und dem Beispiel Chrisi geprägt ist von IM-Verfechtern aber als ungenügend eingestuft wird, um dann umgekehrt, eine doch wesentlich unpassendere Tradition zu übernehmen? Die christliche Tradition entspringt wenigstens dem Versuch, dem Wort Gottes treu zu sein. Die islamische Tradition ist nicht bloss unbiblisch, sie ist auch judenfeindlich, und anti-christlich. Wenn Jesus sich als „perfekter Insider“ erwiesen haben soll, dann deshalb, weil er der jüdischen Tradition deren wirkliche tiefere Bedeutung zeigen konnte. Dasselbe lässt sich von der islamischen Tradition nicht sagen.

Der Islam, aus der IM-Verfechter Ausdrucksformen entleihen und umdeuten möchten, lässt dies nicht so einfach zu. Können wir uns als Muslime bezeichnen, Moscheen besuchen und davon ausgehen, dass wirkliche Muslime unsere Umdeutungen ihrer Tradition akzeptieren? Können wir überhaupt davon ausgehen, von ihnen als Muslime akzeptiert zu werden? Was ist daran anders, als wenn ein Moslem sich als Christ bezeichnen und sich bei uns einschleichen würde? Indem er die Kirche besucht, und die Bibel liest, erwartete er von uns als Christ akzeptiert zu werden? Sobald Muslime diese Täuschungsmanöver durchschauen, werden sie es als eine Bedrohung ihrer Identität ansehen. Aussenstehende können dem Islam kein neues Leben einhauchen, genauso wenig wie wir es zulassen, dass Nichtchristen unseren Glauben zu definieren. Das Vorgehen der IM-Verfechter ist Arroganz in Verbindung mit westlichem intellektuellem Imperialismus.

Schliesslich müssen wir uns mit der seltsamen Aussage von IM-Verfechtern beschäftigen, die schriftlich festgehalten haben, einige IM-Missionare seien wie Muslime geworden. Unterstützen IM-Verfechter dieses Vorgehen ihrer Missionare? Vorhin haben sie dieses Konzept verworfen. Wir fordern eine Klarstellung zu diesem Thema. Einerseits sollen ja frisch Bekehrte aus dem Islam nicht aus ihrem Umfeld („Oikos“) d.h. aus ihrer angestammten Kultur oder aus ihren biologischen Familien heraustreten (Begriffsklärung Extraction, „Herausziehen“). Andererseits ist es aber aus IM-Sicht anscheinend völlig in Ordnung, wenn Missionare ihren Oikos verlassen und sich in den Islam aufnehmen lassen? Wenn alle Menschen Insider wären, dann gäbe es eigentlich gar keine Mission mehr. Wenn die frühen Christen als „Insider“ im Judentum verblieben wäre, dann gäbe es keine Christenheit auf der Welt.

Geistliche Mächte im Islam

CG-Kommentar: Es gibt keine intrinsische geistliche Macht in der islamischen Tradition (in den Moscheen, im rituellen Gebet). Wir möchten betonen „intrinsisch“ [d.h. innere, oder innewohnende Macht]. Ähnlich wie Fleisch, das Götzen geopfert wurde, ist die Gegenwart geistlicher Mächte abhängig vom Glauben oder Bewusstsein der jeweiligen Person, die den Glauben ausübt. Es sind einzelne Gläubige, die entweder Gott die Ehre geben oder an Dämonen gebunden sind. In allen Religionen (auch in der Christlichen) kommen dämonische Bindungen vor.

Beurteilung JS: Nach mehr als einem Vierteljahrhundert von Missionsarbeit unter Muslimen, bin ich überzeugt, dass geistliche Mächte Einfluss haben und überall im Islam wahrgenommen werden können. Ich glaube die rituellen Handlungen und Ausdrucksformen des Islam sind erfüllt mit Kraft, die auch in der absoluten Überzeugung ihrer Anhänger zum Ausdruckkommt. In welcher anderen Religion entsteht ein solcher Fanatismus, ein blindes Kämpfen für die Anliegen der Religion bis hin in den Tod? Im Herzen dieser Religion liegt nun mal die Moschee, das rituelle Gebet, das Fasten, und auch das öffentliche Lesen von Koranversen… – alles Dinge, die seit 1400 Jahren unverändert Bestand haben. Den rituellen Handlungen und Ausdrucksformen dieser Religion gilt es zu widerstehen oder diese gar abzuschaffen aber sicher nicht zu übernehmen; gerade weil geistliche Mächte in ihnen wohnen.

Ich schlage vor, machen sie den Test und gehen auf Gläubige die sich aus dem Islam bekehrt haben, zu, um ihnen nahelegen, Ausdrucksformen des Islam beizubehalten; sie zucken zusammen vor Ekel. Denn sie etwas begriffen, wo wir im Westen Mühe haben mit der Vorstellung: Nämlich, dass die Ausdrucksformen des Islam getränkt sind mit geistlicher Kraft. Diese Ausdrucksformen entfalten einen bösen und kontrollierenden Einfluss, der Generationen zurückreicht, und oft viel Gebet benötigt, um Gläubige davon zu befreien. Wir sollten deshalb besser vorsichtig sein, wenn wir die islamische Tradition als gutartig hinstellen und unbeabsichtigt etwas verniedlichen, womit nur wenige ausserhalb des Islam Erfahrung haben.

Kontextualisierung – gestützt auf 1. Korinther 15

Der Ansatz der Kontextualisierung wird mit Bezug auf drei hauptsächliche Bibelstellen begründet: 1 Kor. 15.3-4, 1 Kor. 9.-21, 1 Thess.2.3

1 Kor 15.1-4 Ich tue euch aber, ihr Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, dass ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr es festhaltet in dem Sinn, in dem ich es euch verkündigt habe – es wäre denn, dass ihr vergeblich zum Glauben gekommen wäret. Denn ich habe euch in erster Linie überliefert, was ich auch empfangen habe, dass Christus für unsre Sünden gestorben ist, nach den Schriften, und dass er begraben und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag, nach den Schriften.

1 Kor. 9.19 wurde bereits aufgeführt.

1 Thess. 2.1-4 Denn ihr wisst selbst, ihr Brüder, dass unser Eingang bei euch nicht fruchtlos war, sondern, obschon wir vorher gelitten hatten und misshandelt worden waren, wie ihr wisst, in Philippi, gewannen wir in unsrem Gott den Mut, bei euch das Evangelium Gottes zu verkündigen unter viel Kamp. Denn unser Zuspruch geschah nicht aus Irrtum noch aus Unlauterkeit, noch mit List; sondern wie wir von Gott würdig erfunden worden sind, mit dem Evangelium betraut zu werden, so reden wir, nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsre Herzen prüft.

CG-Kommentar: 1. Kor 15.3-4 zeigt, wie das Evangelium verkündigt wird. Wir lassen zu, dass die Bedeutung von Ausdrucksformen verwandelt wird, um sie unter das Gesetz und die Herrschaft Christi zu bringen (dem Gesetz Christi unterworfen 1. Kor. 9.21). Wir scheuen es nicht, an Muslimischen Ritualen teilzunehmen. Unser Prinzip ist es, dem Vorbild Christi zu folgen (1. Thess. 2.3). Tatsächlich beteiligen sich einige IM-Missionare an Muslimische Ritualen… andere wiederum nicht.

Beurteilung JS: Ich befürworte das Bestreben der IM-Verfechter, die gute Nachricht kontextualisieren. Ich mahne aber zur Vorsicht gegenüber der IM-Sicht, dass alle muslimische Kulturen vollständig islamisch seien, in der Annahme, dass Kultur nicht von Religion getrennt werden kann (und z.Bp. ein Südostasiate und ein Muslim ein und dasselbe sind). Es stimmt, dass der Islam während den letzten 1400 Jahren diese Kulturen geprägt und dominiert hat. Aber es gab eine Christliche Tradition in diesen Ländern, die dem Islam um 600 Jahre zuvorkam und bis heute existiert. Wir handeln voreilig, wenn wir in Hinblick auf muslimische Ausdrucksformen kontextualisieren ohne vorher abzuklären, ob es eine christliche Tradition in dem Land gibt, die vielleicht immer noch gelegt wird. Haben nicht gerade diese einheimischen Christen das an ihre Kultur angepasst, was sie für das Vorbild Christi hielten, und während 2000 Jahren praktiziert? Haben diese einheimischen Christen nicht das Recht, zuerst angehört zu werden zu Ausdrucksformen eines Glaubens, der für sie während der 1400 Jahre gleichbedeutend war mit Verfolgung?

IM-Verfechter nehmen für sich in Anspruch, dem Beispiel von Jesus Christus zu folgen, den sie als „perfekten Insider“ betrachten, weil er innerhalb des Judaismus und seiner jüdischen Kultur blieb. Wenn sie wirklich seinem Beispiel folgen, dann gibt es keine Kontextualisierung. Denn wenn es für Gläubige aus anderen Kulturen falsch ist westliche Traditionen zu übernehmen, wie kann es dann richtig sein für westliche Missionare, die islamische zu übernehmen? Die beiden Argumente passen nicht zusammen, und wer das Gegenteil behauptet, ist intellektuell unehrlich.

Königreich Gottes

CG-Kommentar: Dies ist ein zentrales Thema und die Botschaft Christi im Neuen Testament: Die gute Nachricht von Gottes Königreich. Unsere Verpflichtung ist es, Muslimen ein reines, unbelastetes Evangelium zu bringen. Alle Menschen suchen das Reich und treten ein, in dem sie zunächst einmal ohne Bezug auf eine religiöse Tradition und ohne Glaubensbekenntnis einer gewissen Denomination. Die Königsherrschaft und das Königreich Gottes ist grösser als religiöse Kategorisierung. Rettung ist in Christus allein und Eintritt in den Herrschaftsbereich Gottes ebenfalls, und wird nicht erlangt durch Beitritt zu einer bestimmten Religion.

Darstellung [#12, p.291] Königreich Gottes [erster grosser Kreis] umfasst Herrschaft/Regierung, Gesetz, Tugenden. Zwei kleinere Kreise, die mit Christentum und Islam beschriftet sind, überlappen teilweise mit dem ersten grösseren Kreis des Königsreichs Gottes.

Beurteilung JS: Mir gefällt die Vorstellung, dass frisch Bekehrte direkt ins Königreich Gottes gelangen, ohne kulturellen oder religiösen Überbau. Es fällt mir aber schwer zu glauben, dass Christentum und Islam gleichsam unpassende Auslegungen von Gottes Königreich seien. Wie kann die Geschichte des Islam mit jener des Christentums verglichen werden? Die Geschichte des Islam ist gezeichnet von Gewalt gegenüber Andersgläubigen, gegenüber Frauen und Minderheiten. All dies findet sich in den Offenbarungen des Islam und ist geprägt durch das Beispiel ihres Propheten Mohammed. Die Geschichte des Christentums (nicht zu verwechseln mit der Geschichte einzelner „christlicher“ Staaten, die die Bezeichnung „christlich“ entlehnten) ist geprägt durch Versöhnung mit dem Feind, Sorge um Witwen und Waisen, und milde Gaben an Arme, Unterdrückte und Fremde. Alle diese Handlungen sind biblisch begründet und geprägt und vorgelebt durch Jesus Christus persönlich. Sind wir so zynisch geworden, dass wir glauben, uns für die Geschichte des Christentums entschuldigen zu müssen und dass unser christliches Zeugnis und das der weltweiten Kirche nicht besser sei als das Zeugnis des Islams?

Wir anerkennen, dass es Ungläubige innerhalb der sichtbaren Kirchen gibt, die keine wahren Zeugen des Evangeliums sind. Das kann aber nicht als Begründung herhalten, die gesamte sichtbare weltweite Kirche als gottesfern, unbiblisch zu verurteilen und gleichsam entfernt von Gottes Königreich wie den Islam zu sehen. Weiter scheinen IM-Verfechter zu unterstellen, das Königreich Gottes sei grösser als die Kirche. Haben sie etwas in zwanzig Jahren entdeckt, was den Glaubensmännern der letzten 2000 Jahre entgangen ist? Ich empfinde diese Haltung gegenüber der Kirche des 21. Jahrhunderts als sehr störend. Es scheint eine grobe Form der politischen Korrektheit, basierend auf einer heftigen postmodernen Kritik, macht sich zunehmend breit in der Kirche in Amerika.

Wenn sich diese zynische Sicht aufs Christentum einmal durchgesetzt hat, ist es ein kleiner Schritt, christliche Prinzipien durch eine romantische Sicht auf den Islam zu ersetzen. Dieser Zynismus, der zu einem grossen Vertrauensverlust geführt hat, stellt sich nun aber als völlig ungeeignet heraus, uns vor der Gefahr zu schützen, dass bald der Islam und nicht mehr das Christentum mit dem Königreich Gottes gleichgesetzt wird. Die Botschafter dieser Sicht aufs Königreich Gottes sind sehr naiv in ihrem Eifer. Traditionelle Christen und Muslime wissen bald nicht mehr, mit wem sie es zu tun haben. Dies führte zu einer neuen Sekte: Sollen wir sie CHRISLAM nennen? Ist das die Vorstellung des Königreiches Gottes von Verfechtern des IM?

Wie steht es um die Überlieferung des Glaubens von einer Generation zur nächsten? Es ist gute Quellen überliefert, wie im Zuge der islamischen Eroberungen im siebten und achten Jahrhundert einigen christlichen Gemeinschaften erlaubt wurde, als „Insider“ – Christliche Nachfolger im Islam – in den Islam überzutreten, indem sie einzig die Shahada aufsagten. Im Laufe der Zeit verschwanden diese Gemeinschaften heimlicher Christen, da ihre Kinder durch Imame geschult aufwuchsen und den Kontakt zu ihrer früheren christlichen Gemeinschaft zunehmend verloren. Was haben sich IM-Verfechter ausgedacht, um zu verhindern, dass genau das passiert mit jungen Gläubigen, die im Islam verhaftet bleiben?

Wassertaufe

CG-Kommentar: Das Bekenntnis unserer Beziehung zu Christus ist absolut zentral für den Glauben eines jungen Gläubigen. Wassertaufe und Beschneidung waren beides rituale der jüdischen Gemeinschaft. Beschneidung stellte sich als grosses Hindernis heraus für die natürliche Verbreitung des Evangeliums, und wurde verinnerlicht als Beschneidung des Herzens. Welche Entscheidung hätte die frühe Kirche getroffen, wenn sich herausgestellt hätte, dass die Wassertaufe in den Heiden Ekel hervorgerufen hätte und nicht die Beschneidung?

Beurteilung JS: Der Vergleich mit der Beschneidung ist nicht korrekt. Beschneidung war ein Zeichen der Zugehörigkeit zum Volk Israel. Dieser wurde auch für Juden nicht mehr benötigt im ersten Jahrhundert, danke der Erfüllung des Gesetzes in Jesus Christus. Christus führte die Wassertaufe ein als öffentliches Zeichen der Zugehörigkeit zum neuen Volk der Nachfolger Chrisi.

Matthäus 28.19 Darum gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

Die Taufe ist ein öffentliches Bekennen. Der Gläubige gibt sein altes Leben in den Tod und steht auf zu einem neuen Leben in Christus. Es gibt da einige Missionare, die über neue rituelle Handlungen nachdenken, die eine gleichwertige Bedeutung besitzen sollten („dynamically equivalent“) aber besser in die islamische Kultur passen. Ich unterstütze grundsätzlich ihre Bemühungen. Was mich aber stört, ist das IM-Verfechter auf eine der ersten rituellen Handlungen der Kirche zu verzichten scheinen. IM-Verfechter verwerfen die Wassertaufe als ein Hindernis für das Evangelium. Wenn öffentliches Taufen zu Verfolgung führt – und das ist so – nehme ich an die Lösung der IM-Verfechter lautet: Weglassen, genau wie bei der Wassertaufe. Was schlagen sie als Ersatz vor?

Glaubensbekenntnis

CG-Kommentar: Das Ziel dieser neuen Ekklesia [wörtlich herausgerufen, oft mit Kirche übersetzt] ist, zusammen zu kommen, um Gemeinschaft zu haben und Jesus Christus zu gehorchen, in dem man auf ihn vertraut als Herr und Retter. Jam’ats [eine Art Hauskreis oder Gebetskreis] soll ganz einfach eine Gemeinschaft von Gottesmenschen sein, die zusammenleben und Umgang pflegen, zusammen beten und das Wort studieren, und nicht bloss, um sich einmal pro Woche zu versammeln.

Beurteilung JS: Ob die Bezeichnung Kirche erhalten bleibt oder durch eine andere Bezeichnung wie „Ja’mat“ ersetzt wird, spielt mir persönlich keine Rolle. Vorausgesetzt, Muslime verstehen, wer wir sind, anhand der gewählten Bezeichnung. Ich stelle auch das Kriterium für die Qualifizierung als Ja’mat in Frage: das einfache Bekennen von Jesus als „Herr und Retter“. Ich weiss, dass Muslime einen „Herr“ als Autorität anerkennen, und alle Propheten sind in gewisser Weise „Retter“. Dies wird kaum erwähnt in den Unterlagen der CG-Konferenz. Ich ziehe eine klarere Formulierung vor, in der Jesus als Menschgewordenen Gott beschrieben wird, co-existent mit Gott dem Vater und Gott dem Heiligen Geist.

Römer 10.9-10: Denn wenn du mit deinem Munde Jesus als den Herrn bekennst und mit deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden. Denn mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, mit dem Munde aber bekennt man zur Seligkeit.

Die Verse in Römer 10 fordern, dass wir Jesus als Herrn bekennen. Im Kontext wird jedoch klar, dass die Gottheit Christi miteingeschlossen ist. Es braucht ein klares öffentliches Bekennen, dass Jesus Christus Gott ist. Für mich ist dies die „Shibboleth“-Trennungslinie, die den Glauben eines Gläubigen in Jesus Christus, wie er uns in der Bibel vorgestellt wird, unterscheidet vom Isa des Koran.

Bekehrung

CG-Kommentar: [Die griechische Bezeichnung] Proselytos bezieht sich auf nur auf Heiden, die Juden werden. Epistrophe (in Apostelgeschichte 15.3) bedeutet wörtlich „sich etwas/jemanden zuwenden“ und Aparche bedeutet wörtlich „Erstlingsfrucht“. Beide setzen nicht unbedingt einen Religionswechsel voraus. Unser Argument ist, dass die Bibelübersetzungen den falschen Eindruck erwecken, dass Glauben in Christus mit einer Bekehrung verbunden sei (und jemand Religion oder Denomination wechseln müsse). Dies führt zu heftigen Reaktionen bei jenen, die von einem Muslimischen Hintergrund herkommen und es in Betracht ziehen, Nachfolger Christi zu werden.

Beurteilung JS: Ob jemand vom Heidentum zum Judentum übertritt oder vom Islam zum Christentum, die Bekehrung bedeutet eine neue Treuepflicht und einen Ersatz von Glaubensinhalt und -praxis durch einen anderen Glauben. Wie man es auch immer benennen möchte, eine Änderung im Geist und im Herzen ist nötig. Diese Änderung als unwahr und unnötig zu erklären, weil es Muslime empfindlich trifft und heftige Reaktionen hervorruft, zeigt, dass IM-Verfechter das Ziel völlig verfehlt haben. Bekehrung hin zu irgendeinem Glauben ruft heftige Reaktionen hervor. Eine Bekehrung zu christlichen Gott der Bibel von der christlichen Glaubensgemeinschaft loslösen zu wollen, trennt das, was Gott geeint hat.

Wenn Bekehrung bedeutet, dass man seine Religion nicht ändert, wieso sollten wir uns weiterhin für Missionsarbeit interessieren? Wieso Menschen nicht einfach ihrer Tradition überlassen? Nein, Zeugen sein heisst Menschen herausrufen (Römer 10.14-15)

Römer 10.14-15: Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht gläubig geworden sind? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen, der predigt? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht ausgesandt worden sind? Wie denn geschrieben steht: „Wie lieblich sind die Füsse derer, die Gutes verkündigen!“

Wenn einer gerufen wird, dann ist die Reaktion, dem Ruf zu antworten. Christ zu werden bedeutet nicht zwangsläufig, sich von seiner biologischen Familie trennen zu müssen, aber es ist ein Ruf, teil von einer grösseren geistlichen Familie zu werden. Paulus beendet Vers 15 mit einem Zitat. Mögen wir alle stolz mit lieblichen Füssen wandeln.

Quarantäne – Schutz vor der Christlichen Tradition

Dieses Prinzip wird gerechtfertigt durch Apostelgeschichte 15, wo Paulus und Barnabas mit den Aposteln und der Gemeinde in Jerusalem zusammentreffen.

Apg. 15.10: Warum versuch ihr also jetzt Gott dadurch, dass ihr ein Joch auf den Nacken der Jünger legen wollt, das weder unsre Väter noch wir zu tragen vermocht haben?

Apg. 15.19-20: Deswegen urteile ich meinerseits, man solle denen, die sich aus den Heiden zu Gott bekehren, keine Schwierigkeiten machen, sondern ihnen nur vorschreiben, dass sie sich von den befleckenden Berührungen mit den Götzen und von der Unzucht, von Ersticktem und vom Blut enthalten.

CG-Kommentar: Junge Gläubige aus dem Islam brauchen Schutz vor westlichen Traditionen, die nichts mit der Botschaft Christi zu tun haben. Wir schützen junge Gläubige aus dem Islam vor denen die jenen Schwierigkeiten bereiten, die sich zu Gott wenden, und Gott versuchen, indem sie ein Joch auf die Nacken der Jünger legen wollen. Wenn das ungläubige Umfeld einen junge Gläubigen brandmarkt, ist die Bezeichnung als Christ und nicht der Inhalt der Botschaft das hauptsächliche Hindernis in der Verbreitung des Evangeliums. Demnach ist es wichtig, Gläubige für eine gewisse Zeit voneinander zu trennen.

Beurteilung JS: Es ist durchaus ratsam, frisch Bekehrte anfänglich als heimliche Gläubige weiterleben zu lassen, und entspricht der allgemeinen Vorgehensweise von verschiedenen Missionaren, die in muslimischen Ländern arbeiten, und zwar aufgrund der Verfolgung, die einsetzt, sobald der Glaube an Christus öffentlich bekannt wird. Diese Idee vom Schutz vor schlechten westlichen Traditionen, entspricht aber lediglich den Vorgaben der politischen Korrektheit. Der Keil, der zwischen frisch Bekehrte und die einheimische christliche Gemeinschaft getrieben wird, ist auf die Dauer nicht zu rechtfertigen. Diese Trennung führt zu Abschottung junger Gläubiger und nach einer gewissen Zeit unkontrollierten Wachstums zu Religionsvermischung (Synkretismus) und möglichen Irrlehren. Wie sollten die einheimische christliche Kirche diese Bekehrten in ihren Reihen aufnehmen und als Geschwister im Glauben anerkennen, nachdem diese solange von ihnen getrennt waren? Wenn Gläubige unter Quarantäne gestellt werden, haben dann die IM-Verfechter nicht eine Sekte des „Chrislam“ innerhalb des Islam geschaffen?

Wie beschützen IM-Verfechter junge Gläubige vor schlechten Westlichen Traditionen? Meinen sie diese Traditionen hätten nichts zu tun mit der Botschaft Christi oder halten sie diese schlicht für Westlich? Wenn sie nichts zu tun haben mit der Botschaft Christi, dann fragt sich, was islamische Traditionen mit der Botschaft Christi zu tun haben. Islam ist nicht ein Umfeld, das langfristiges geistliches Wachstum und Gesundheit fördert. IM-Verfechter stellen sich gerne als Verteidiger der Kontextualisierung dar. Gleichzeitig verteufeln sie aber ihre eigene Kultur.

Verfolgung

IM-Verfechter begründen ihre Haltung was Verfolgung angeht mit folgenden Bibelstellen:

Lukas 14.26: Wenn jemand zu mir kommt und nicht seinen Vater und seine Mutter und sein Weib und seine Kinder und seine Brüder und seine Schwestern und dazu auch sein Leben hasst, kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mit mir geht, kann nicht mein Jünger sein.

1 Petrus 2.17 Erweiset jedermann Ehre! Liebet die Bruderschaft! Fürchtet Gott! Ehret den Kaiser!

2 Tim 3.12: Aber auch alle andern, die fromm leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.

CG-Kommentar: Wir glauben, dass Verfolgung biblisch ist, nötig und hilfreich. Der Grund für die Verfolgung sollte die Christus Nachfolge und das Kreuz sein. Jesus sagt in Lukas 14.26, dass wir ihn mehr liebhaben sollen als irgendein Familienmitglied. Das trifft auf alle Kulturen zu, auch die Amerikanische. Aber Christus liebhaben bedeutet nicht unbedingt, dass man ein Verräter an der eigenen Familie werden oder sie unnötig verletzen muss. Im Gegenteil sind wir dazu angehalten, alle Menschen zu ehren (in 1. Petrus 2.17); und dies schliesst die eigenen Eltern mit ein. Wenn jemand Verfolgung erleidet, weil er ein Gott wohlgefälliges Leben (im Sinne von 2 Tim 3.12) führen möchte, dann sei es so. Ist Verfolgung aber wegen unserer Grobheit, zur Unehre unserer Eltern etc. dann ist das nicht Verfolgung um Christi willen.

Beurteilung JS: Das ist ein schwieriges Thema aus zwei Gründen. Wenn ich einem IM-Verfechter sage, Insider möchten Verfolgung verhindern, dann stehen ihm die Haare zu Berg. Sie betonen dann jeweils, dass es ihnen darum gehe, ein Verlassen der eigenen Kultur zu verhindern, nicht der Verfolgung auszuweichen. Innerhalb der Kirche ist die Angst vor Verfolgung weit verbreitet. Ich schlage vor, wir anerkennen dies als Tatsache und fahren fort. Dies ist bestimmt ein unterschwelliger Beweggrund für die IM-Verfechter, auch wenn ich öffentlich geächtet, indem ich ihnen dies unterstelle.

Ein wirkliches Problem besteht aber dann, wenn orthodoxe Muslime realisieren, was mit ihrer Religion passiert, mit ihren Schriften, mit ihrem Gott und mit ihrem Propheten. Ich rede jetzt nicht von harmlosen Muslimen, sondern den Muslimen, mit denen ich in Grossbritannien arbeite: solchen, die sich leidenschaftlich und öffentlich zu der Art von Identität bekennen, wie sie von IM-Verfechtern entwickelt wurde: Moscheenbesuch ja, aber kein Lobpreis für den Allah des Korans wie von anderen Muslimen vermutet; Ja zum rituellen Gebet (Salat), aber dieses richtet sich nicht an den Allah des Korans, sondern an „Isa“ – eine Verirrung aus Sicht der Muslime. Ich bin überzeugt, traditionelle Muslime fühlen sich hintergangen, wahrscheinlich bedroht und werden bestimmt sehr wütend. Können wir es ihnen verübeln? Wie würden wir Christen uns fühlen, wenn Muslime sich auf diese Weise als Christen ausgeben würden?

Schliesslich möchte ich alle IM-Verfechter daran erinnern, den wir oft an Verteidiger des islamischen Glaubens richten: Als IM-Verfechter seid ihr genau wie die Muslime Heuchler, indem ihr eine Strategie der Verstellung und der Verheimlichung eurer wahren Absichten verfolgt. Diese sanktionierte Form der Lüge hat im Arabischen sogar einen eigenen Namen: Taqqiyya. Ist es nicht das, wofür die Insider-Bewegung letztlich steht und jungen Gläubigen nahelegt? Soll dies unser Zeugnis in der Welt sein? Wie lässt sich Taqqiyya mit Jesus-Nachfolge in Einklang bringen?

Es besteht zudem das Problem der Verantwortung. IM-Verfechter teilen ihre Methoden nicht genau so, wie sie auf dem Missionsfeld eingesetzt werden. Dies wird jeweils mit Sicherheitsbedenken begründet. Ich bin überrascht, wie wenig die Kirche über diese Bewegung weiss. Kirchen finanzieren die Insider Bewegung in weitgehender Unkenntnis der Sachlage.

Schlusswort

Ich bin zutiefst betroffen und beunruhigt über das die IM-Verfechter glauben und praktizieren. Viele meiner Fragen bleiben unbeantwortet. IM-Verfechter haben das Bedürfnis, zu tief in den islamischen Kontext einzutauchen. Dies führt dazu, dass der Islam eine erhöhte Stellung erhält, die ihm nicht zusteht. Die geistlichen Mächte der Bosheit, die im Islam wirken, werden von den meisten nicht verstanden. Wenn wir anfangen, an den Ausdrucksformen des islamsichen Glauben herumzubasteln, haben wir mit Reaktionen von orthodoxen Muslimen zu rechnen. Ich bin ein wenig erleichtert darüber, dass es soch ein paar wenige gibt, die sich der Gefahren solchen Handelns bewusst sind. So wurden uns bessere Methoden vorgestellt, die frisch Bekehrte in Sicherheit bringen und die Heiligkeit von Jesus und seiner Guten Nachricht bewahren.

Ich schliesse mit einer Anektote, von dem, was an der CG-Konferenz in Atlanta meiner Ansicht nach wirklich geschah. Es dürfte erklären, wieso IM so schnell wächst, vor allem in den USA. Während ich gut entwickelten und wortgewandten Reden von führenden Mitgliedern zuhörte, schaute ich herum im Saal und sah Hunderte von junge Menschen, viele von ihnen Studenten an einer Bibelschule. Mir wurde gesagt, die meisten von ihnen seien unterwegs in ein Muslimisches Land. Es war klar, dass sie sich mit dem Gedanken beschäftigten, IM-Methoden und Prinzipien zu übernehmen. Ich spürte sogar selber dieses Verlangen. Als IM-Verfechter damit begannen, das grosse Zunahme von gläubigen gewordenen Insidern rund um die Welt zu erwähnen und die Vielzahl von Jam’ats, die geschaffen wurden, da wurde ich ebenfalls von dieser Euphorie ergriffen. Ich wollte teil dieser Erfolgsgeschichte werden, wer wollte das nicht?

Ich begann zu zweifeln an dem, was ich gelernt und mein ganzes Leben lang geglaubt habe, was das Evangelium ausmacht, was Gottes Vorstellung von Kirche ist, und sogar was meinen Ruf in die Mission angeht. Mir ging der Gedanke durch den Kopf, dass vielleicht alle falsch lagen, meine Eltern, meine Grosseltern vor ihnen und alle Missionare. Vielleicht war eine Bekehrung zu Christus innerhalb der Kirche wirklich nicht die richtige Antwort. Wahrscheinlich wussten diese redegewandten Männer und Frauen etwas, was bisher niemand wusste. Vielleicht war der Islam wirklich nicht so schlecht; Gott könnte Mohammed gebraucht haben. Seine Offenbarungen könnten angepasst werden, um Menschen den Muslimischen Isa, statt dem westlichen Jesus, auf eine neuartige und lebendige Weise näherzubringen. Ich erinnere mich, wie ich das Konferenzgelände eines abends verliess und mich fragte, wie ich diese Neuigkeiten meiner Frau, meinen Kollegen und vor allem meinem Missionswerk erklären sollte. Als ich im Hotel ankam, realisierte ich, dass ich der Verführung der Wachstumszahlen erlag, und dem angeblichen Erfolg dieser Bewegung; es war wirklich sehr verführerisch. Liebend gerne würde ich Muslimen sagen, dass sie ihre Familien nicht verlassen müssten, um Christus nachzufolgen; und dass sie ihre Religion und ihre Glaubenssätze behalten, die Fastenzeit des Ramadans begehen und am rituellen Gebet des Salat teilnehmen können. Als einer, der nur eine Handvoll von Leuten zu Jesus kommen sah, könnte ich jetzt auf Hunderttausende neue Gläubige hinweisen. Ich begann die Möglichkeiten zu sehen, die Errungenschaft, und den Fall des Islam zu Lebzeiten. Es schien alles zu gut um wahr zu sein – und so war es denn auch tatsächlich.

 

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One Comment

  1. Margarette 23/08/2017 11:09

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